Schurken Wiki
Advertisement


Baron Meinster ist der Hauptantagonist des Horrorfilmklassikers Dracula und seine Bräute (Brides of Dracula) der legendären britischen Hammer Film Production aus dem Jahr 1960.

Dargestellt wurde der ebenso charmante wie heimtückische Meistervampir, der im Zuge seines Treibens einen kleinen Harem an verführerischen Vampirgespielinnen um sich schart, nach dem Blut der wunderschönen Schullehrerin Marianne Danielle giert und es sogar beinahe schafft Draculas Erzfeind Dr. Van Helsing zu vernichten, vom britischen Schauspieler David Peel (*1920; †1981).

In der deutschen Übersetzung wurde er von Wolfgang Kieling (*1924; †1985) gesprochen, der unter anderen Filmschurken wie Lee Clayton und Ernst Stavro Blofeld synchronisiert hatte.

Charakterbiographie

Vorgeschichte

Baron Meinster erscheint wie ein attraktiver und charmanter junger Mann...

Der charmante, adrette Baron ist der jüngste Spross des Geschlechtes derer von Meinster. Schon von frühester Jugend an, wurde er von seiner Mutter, der von Okkultismus und schwarzer Magie faszinierten Baroness Meinster, zu Bosheit und Grausamkeit erzogen und jede seiner Launen und Perversionen wie Kostbarkeiten gefördert und kultiviert.

... ist aber eigentlich ein sadistischer, blutrünstiger Vampir.

Alsbald geriet er in die Gesellschaft zwielichtiger Gesellen, die ihn regelmäßig zu nächtlichen Orgien und satanischen Messen mitnahmen. Eine dieser verderbten Exkursionen sollte alles verändern; krank und schwach, regelrecht ausgelaugt, wurde er nach Hause gebracht, wo seine Mutter recht schnell erkannte, was mit ihm passiert war. Er war von einem Vampir gebissen- und somit selbst zu einer jener blutsaugenden Kreaturen der Nacht geworden.

Gesprengte Ketten

Baron Meinster hat Marianne bezirzt, ihn freizulassen.

Die darauffolgenden Jahre verbringt Baron Meinster als Gefangener in seinen luxuriösen Gemächern, am Fußknöchel mit einer langen silbernen Kette gefesselt. Um zu überleben wird er von seiner Mutter regelmäßig mit den schönsten, jungen Dorfmädchen versorgt, die sie unter dem Versprechen einer lukrativen Anstellung auf Schloss Meinster lockt.

Seine Stunde schlägt, als die mittlerweile betagte Baroness die wunderschöne Lehrerin Marianne aufliest, die eigentlich unterwegs ist, ihre neue Anstellung in einem vornehmen Mädcheninternat anzutreten. Während alles für das Dinner vorbereitet wird, wird Baron Meinster von seinem Balkon aus auf die attraktive Frau aufmerksam und kann sich ihre gütige Hilfsbereitschaft alsbald zunutze machen.

Baron Meinster treibt sein blutiges Unwesen.

Er behauptet, dass seine Mutter ihn unter dem Vorwand er wäre “geisteskrank“ wie ein wildes Tier gefangen halten würde, während sie von seinem Erbe zehrt und seinen Reichtum für ihre eigenen unseligen Vergnügungen verprasst. Mit seiner vernünftigen Argumentation, seiner überragenden Eloquenz und seinem entwaffnenden Charme überzeugt er Marianne, ihm den Schlüssel für seine Kette zu beschaffen.

Schon kurz danach offenbart Baron Meinster seine wahre Natur, indem er seine völlig außer sich geratene Mutter zu sich befiehlt, um ihr das Blut auszusaugen, ehe er in die Nacht hinaus entschwindet. In seiner Abwesenheit zwingt Greta, die halbverrückte Haushälterin, Marianne einen Blick auf die Leiche der alten Baroness zu werfen, woraufhin diese hysterisch aus dem Schloss flieht, um kurz darauf dem Wissenschaftler und Vampirforscher Dr. Van Helsing in die Arme zu laufen.

Konfrontation mit Van Helsing

Baron Meinster kämpft gegen Dr. Van Helsing.

Währenddessen hat Baron Meinster seinen Hunger am Blut eines hübschen Dorfmädchens in der Nähe von Mariannes Schule gestillt, welches sich bereits kurz nach der Beerdigung als Vampir aus dem Grab erhebt. Marianne gegenüber, welche von seinem vampirischen Treiben noch immer nichts mitbekommen hat und die vom Schock über den Anblick der toten Baroness keinerlei Erinnerungen an diese schreckliche Nacht mehr hat, tritt der Baron noch immer als unbescholtener Edelmann auf, der ihr für seine Befreiung dankbar ist.

Tatsächlich versichert er sie seiner “aufrichtigen Liebe“ und macht er ihr einen Heiratsantrag, um noch in derselben Nacht über Mariannes Zimmergenossin Gina herzufallen und auch sie in einen Vampir zu verwandeln, ehe er in sein Versteck in der alten Windmühle zurückkehrt.

Baron Meinster offenbart Marianne seine wahre Natur.

Inzwischen ist es Van Helsing gelungen, den Unterschlupf des Meistervampirs ausfindig zu machen, wo die Bräute des Barons ihn bereits mit gebleckten Zähnen erwarten. Während seines Versuches, die Blutsauger abzuwehren, geht Greta, die dem Baron noch immer loyal ergeben ist, auf ihn los, woraufhin er sein Kruzifix verliert. Die Gunst des Augenblicks nutzend, stürzt Baron Meinster sich auf den Wissenschaftler und kann ihm während des Handgemenges tatsächlich die Reißzähne in den Hals schlagen und mit der Vampirseuche infizieren.

Im Schatten des Kreuzes

Weihwasser frisst sich wie Säure in Baron Meinsters Gesicht.

Baron Meinster lässt den besinnungslosen Van Helsing zurück und macht sich auf den Weg in die Mädchenschule, um Marianne zu entführen. Während er sie holt, hat Van Helsing mit einem glühenden Eisen seine Bisswunde kauterisiert und mit Weihwasser abgelöscht und konnte somit dem Vampirfluch knapp entgehen.

Zurück in der Mühle will Baron Meinster Marianne vor den Augen des vermeintlich hilflosen Vampirjägers beißen, um ihn noch mehr zu demütigen. Gerade als er seinen hypnotischen Blick auf die junge Lehrerin richtet, um sie willenlos zu machen, prescht Van Helsing vor und übergießt den Baron mit dem verbliebenen Weihwasser, welches sich sofort wie Säure in das einstmals hübsche Gesicht des Blutsaugers frisst.

Baron Meinster stirbt im segnenden Schatten eines überdimensionalen Kreuzes.

Außer sich vor Schmerz und Zorn, stößt der entstellte Baron eine Feuerschale um und steckt die Mühle in Brand, ehe er kehrt macht und von außen die einzige Tür verbarrikadiert. Innerhalb kürzester Zeit brennt das Gebäude lichterloh. Während die Bräute des Meistervampirs in den Flammen umkommen, können Van Helsing und Marianne entkommen, indem sie sich an einem der Windmühlenflügel festklammern und so relativ sanft zu Boden gleiten.

Dadurch ergibt sich jedoch die Form eines riesenhaften Kruzifixes, dessen gewaltiger Schatten genau auf den fliehenden Baron fällt. An Ort und Stelle von dem heiligen Symbol gefangen gehalten, stößt Baron Meinster grässliche Schreie aus und windet sich in schmerzerfüllten Krämpfen, ehe er schließlich tot zusammenbricht.

Erscheinungsbild & Persönlichkeit

David Peel als Baron Meinster - Publicityfoto von 1960.

Baron Meinster ist, seinem Äußeren nach, ein überdurchschnittlich attraktiver junger Mann mit blondem Haar, fein geschnittenen Gesichtszügen und ausdrucksstarken stahlblauen Augen. Bricht jedoch seine wahre Natur durch, steht in seinen rotgeäderten Augen blanker, sadistischer Wahnsinn und ein schier unbändiger Hunger nach menschlichem Blut, während sich seine aristokratischen, sinnlich geschwungenen Lippen zu einem erschreckenden Grinsen mit langen, spitzen Eckzähnen verzerren.

Gekleidet ist der Baron in einen maßgeschneiderten anthrazitfarbenen Gehrock mit ebensolcher Weste und Hose, sowie schwarzen, glänzenden Schuhen, einem weißen Hemd mit Stehkragen und einem bleigrauen Plastron mit einer perlenbesetzten Anstecknadel.
Um seine Schultern trägt er ein steingraues, bodenlanges, wallendes Cape mit seidenem Innenfutter und einer gedrehten Kordel als Schließe. Am kleinen Finder seiner linken Hand steckt zudem ein goldener Ring mit dem Familienwappen derer Von Meinster.

Auf den ersten Blick scheint Baron Meinster ein höflicher, kultivierter und anziehender junger Mann zu sein. Mit seinem einnehmenden Charme und seinen formvollendeten Manieren wirkt er wie ein Gentleman von Weltformat.
Hinter dieser Fassade, die nur dazu dient, junge, schöne Frauen in falsche Sicherheit zu wiegen, verbirgt sich ein abgründiger und zutiefst grausamer Sadist, der großen Gefallen daran findet, mit seinen unschuldigen Opfern zu spielen, ehe er sich an ihrem Blut labt und zu seinen willfährigen Gespielinnen macht.

Seine grausame Verderbtheit, die von seiner Mutter stets gefördert und regelrecht kultiviert wurde, begann nicht erst mit seiner Verwandlung in einen Vampir, sondern fand darin nur ihre Vollendung. Einen seiner abscheulichsten Akte begeht er, indem er seine eigene Mutter anfällt, um sich von ihr zu nähren, jedoch nicht aus Hunger, sondern um sie zu demütigen und sich an ihr für die Jahre zu rächen, in denen sie ihn gefangen gehalten hat.

Wissenswertes

  • Der britische Schauspieler David Peel war knappe 1,78 m groß, weswegen er als Baron Meinster Schuhe mit hohen Absätzen trug, um neben dem vom 1,82 m großen Peter Cushing dargestellten Dr. Van Helsing eine eindrucksvollere Erscheinung abzugeben.
  • Im ursprünglich geplanten Finale hätten Baron Meinster und seine Vampir-Gespielinnen eigentlich von einem Schwarm Fledermäuse vernichtet werden sollen. Die Umsetzung dieses Effektes entpuppte sich jedoch als zu kostenintensiv und wurde gegen das im Film zu sehende Ende ersetzt.
    Die Vernichtung der Vampire durch einen Fledermausschwarm, fand jedoch 1963 im Finale des Hammer-Films Der Kuss des Vampirs (The Kiss of the Vampire) doch noch Verwendung.
  • Die Rolle des Baron Meinster war die vorletzte Spielfilmrolle von David Peel. Nach einem letzten Kinofilmauftritt im Horrorfilm Die unheimlichen Hände des Dr. Orlak (The Hands of Orlac), 1960, und einer wiederkehrenden Rolle in der britischen Fernsehserie Amelia, 1961, beendete der Absolvent der renommierten Londoner Schauspielschule Royal Academy of Dramatic Arts seine Karriere und betätigte sich fürderhin als Immobilienmakler und Antiquitätenhändler.
  • Um den Charakter des Baron Meinster besser von Graf Draculas eher animalisch-wildem Aussehen abzuheben und ein mehr charmant-attraktives Erscheinungsbild zu verleihen, trug David Peel eine blonde Perücke um jünger und sanfter zu wirken.
    Tatsächlich gilt der Baron als der erste blonde Meistervampir der Filmgeschichte.
  • Baron Meinster sollte seinem Äußeren nach höchstens Anfang zwanzig sein. David Peel war jedoch zum Zeitpunkt der Dreharbeiten bereits neununddreißig Jahre alt. Nichtsdestotrotz überzeugte er mit seinem jugendlichen Aussehen seinerzeit Publikum und Kritiker gleichermaßen und wurde in der Werbekampagne zum Film gar als “Teenage Vampire“ angepriesen.
  • Die britische Zensurbehörde BBFC bemängelte seinerzeit Teile des Dialoges, insbesondere jene mit lesbischen Untertönen, beispielsweise als eine der Vampirinnen sich der Heldin Marianne nähert und ihr verführerisch zuraunt, sie möchte sie umarmen und küssen.
    Die BBFC reagierte überaus prüde und kommentierte diese Passage mit den Worten: “Was kommt als nächstes? Ein schwuler Dracula?“, ohne zu ahnen, dass Baron Meinster-Darsteller David Peel tatsächlich homosexuell war.
  • Gemäß eines frühen Drehbuchentwurfes, sollte Baron Meinster eigentlich ein “Jünger“ des Grafen Dracula sein und der Filmtitel Disciple of Dracula (Draculas Schüler) lauten. Im Verlauf der Skriptentwicklung verschwand der Graf jedoch komplett aus der Handlung, wobei der Name Dracula aber rein aus Vermarktungsgründen im Titel verblieb.
  • Das Ende des Films in der brennenden Windmühle, im Zuge dessen Baron Meinster vernichtet wird, diente als Vorlage für Tim Burtons Sleepy Hollow aus dem Jahr 1999, welcher gelegentlich auch als Hommage an die klassischen Hammer-Horrorfilme bezeichnet wird.
  • Peter Cushing (*1913; †1994), der Baron Meinsters Gegenspieler, den rechtschaffenen Wissenschaftler Dr. Van Helsing gespielt hatte, trat in der Frankenstein-Filmreihe der britischen Hammer Film Productions als schurkischer Hauptprotagonist Baron Frankenstein auf. Zudem verkörperte er in Krieg der Sterne bzw. Star Wars - Episode IV: Eine Neue Hoffnung von 1977 den grausamen Oberbefehlshaber des Imperialen Todessterns, Gouverneur Tarkin.
Advertisement