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Captain Ahab ist der schurkische Hauptprotagonist des klassischen Romans Moby Dick; oder: Der Wal (Moby Dick; or, The Whale) von Herman Melville aus dem Jahr 1851, sowie dessen zahlreichen Adaptionen für Bühne, Film und Fernsehen.

Obwohl der wahnhafte Kapitän des Walfangschiffes Pequod im Allgemeinen kein typischer Antagonist im üblichen Sinne ist, so sind sein Handeln und seine Beweggründe doch von eindeutig schurkischen und eigennützigen Motiven wie Rachsucht und dem Drang nach Vergeltung geprägt.

Seit der titelgebende, gewaltige schneeweiße Pottwal ihm während einer früheren Schifffahrt ein Bein fortgerissen hat, ist Ahab nur noch von dem einen Gedanken beseelt, es dem riesigen Meeressäugetier heimzuzahlen. Mitleids- und erbarmungslos ist er gewillt, sowohl seine Mannschaft, als auch sein Schiff zu opfern, um seiner fixen Idee nachzukommen, was letztendlich in eine Tragödie katastrophalen Ausmaßes mündet und seine Leute und ihn selbst in den Untergang führt.

In der bekanntesten Verfilmung des klassischen Abenteuerromans, 1956 gedreht von John Huston, wurde Captain Ahab vom US-amerikanischen Schauspieler Gregory Peck (*1916; †2003) verkörpert. Im australisch-US-amerikanischen Fernseh-Zweiteiler aus dem Jahr 1998 übernahm der britische Charakterdarsteller Sir Patrick Stewart (*1940) den Part und in der 2011 ausgestrahlten kanadisch-deutschen TV-Miniserie wurde der rachezerfressene Captain von William Hurt (*1950) gespielt.

Pecks Inkarnation wurde in der deutschen Übersetzung von Klaus W. Krause (*1903; †1981) gesprochen. Stewart wurde von Ernst Meincke (*1942) synchronisiert und Hurt von Jürgen Heinrich (*1945).

Charakterbiographie

Frühe Jahre

Viele Gerüchte und Legenden ranken sich um Ahabs bewegtes Leben. Seinen biblischen Namen erhielt er beispielsweise von seiner Mutter, einer dem Wahnsinn anheimgefallenen Witwe, die starb, als er erst an die zwölf Monate alt war und die ihn angeblich noch mit ihrem letzten Atemzug verflucht haben soll. Überwiegend auf sich allein gestellt, wuchs er zu einem starken, selbstständigen Jungen heran, der sich in der harten Welt wohl zu behaupten wusste. Es heißt von ihm, er habe Universitäten besucht und unter Kannibalen gelebt und Wunder erlebt, unergründlicher als die Gezeiten.

Mit achtzehn Jahren ging er als junger Harpunier erstmals auf Walfang und hatte auf See fürderhin seinen Platz gefunden. In den nächsten Jahren trieb ihn sein ruheloser Geist immer weiter auf den eisernen Schienen des Lebens voran, bis er als Kapitän seinen eigenen Walfänger kommandierte.

Fahrten als Captain

Vor dem stürmischen Kap Hoorn soll er während einer Fahrt an einem schweren Fieber erkrankt sein und drei Tage lang mit dem Tod gerungen haben, ehe er wieder aus seiner Koje aufstand. In Santa, heißt es, habe er an einem tödlichen Gefecht gegen spanische Streitkräfte teilgenommen, ehe er in der örtlichen Kirche in den silbernen Kelche auf dem Altar spuckte, woraufhin er von einem Blitzschlag gezeichnet worden sein soll.

Einige Jahre später, als sein Schiff vor Japan in einen der berüchtigten Taifune geriet und sämtliche Masten gebrochen waren, fürchtete die ganze Mannschaft, dass die nächste Welle, die über ihnen zusammenschlagen würde, sie versenken und allesamt in die Tiefe reißen würde. Ahab jedoch ergriff das Steuer und brachte es fertig, alle Mann an Bord zu retten und das schwer havarierte Schiff für die dringend benötigten Reparaturen in den nächsten Hafen zu steuern.

Längst schon hatte er seinen Ruf als “beste und treffsicherste Lanze von ganz Nantucket“ zementiert, denn kein Wal auf den er je Jagd gemacht hatte, vermochte ihm zu entkommen. Beinahe ehrfurchtsvoll berichten seine frühen Weggefährten von dem Feuereifer, mit dem er die nächsten vierzig Jahre auch als Captain noch selbst ins Boot sprang, um seiner Beute mit funkelnden Augen und vor Jagdfieber schaumbefleckten Lippen nachsetzte.

Erste Begegnung mit Moby Dick

Während seiner letzten Fahrt kam es für Ahab, der mit Ende Fünfzig die Blüte seiner Jahre mittlerweile hinter sich gelassen hatte, verheiratet- und Vater eines kleinen Sohnes war, zu einer schicksalsträchtigen Begegnung. Sein altehrwürdiges Schiff, die über und über mit bizarren Trophäen aus Walfischknochen geschmückte Pequod, kreuzte auf ihrem Kurs durch die Ozeane den Weg eines ungewöhnlich riesenhaften Albino-Pottwals, der weithin als Moby Dick bekannt war und um den sich zahlreiche Legenden rankten.

Als Ahab zur Jagd auf den gewaltigen, uralten Wal mit der breiten, zerfurchten, Stirn dem schiefen Maul und den unverkennbaren drei Löchern in der Schwanzflosse blies, floh das unheimliche wilde Tier nicht, wie es seine Natur hätte sein sollen, sondern ging zum Gegenangriff über. Noch bevor die Walfänger reagieren konnten, war Moby Dick abgetaucht und hatte von unten Ahabs Boot gezielt zertrümmert. Dabei geriet der Captain zwischen die scharfen elfenbeinernen Zähne des Wals, der ihm so mühelos das Bein abbiss, als hätte er mit einer Sense einen Grashalm abgeschnitten.

Während Moby Dick in den unergründlichen Tiefen des Meers entkam, wurde der schwer verwundete Ahab an Bord zurückgebracht und mühselig wieder zusammengeflickt. Er überlebte seine Verletzung, war jedoch fortan auf eine grobe Beinprothese angewiesen, gefertigt aus bleichen Walfischknochen.

Seither ist Captain Ahab nur noch von einem einzigen Gedanken besessen – den verhassten weißen Wal aufspüren und zur Strecke zu bringen, dafür, dass er ihn verstümmelt hatte.

Die letzte Fahrt der Pequod

Während der Monate, in denen die Pequod überholt und für ihre nächste Reise vorbereitet wird, trifft Ahab mit geradezu manischer Besessenheit die Vorbereitungen für seinen Rachefeldzug. Nächtelang studiert er akribisch alte Logbücher und Aufzeichnungen über die Geschichte des Walfanges, anhand derer er eine Karte anfertigt, auf der sämtliche bekannte Pottwal-Routen eingezeichnet sind, ihre Züge durch die Weltmeere, wo sie Nahrung finden und wo sie sich fortpflanzen. Der Umstand, dass seine Karte für das Walfang-Gewerbe pures Gold wert wäre, ist ihm dabei vollkommen einerlei. Für ihn zählt einzig und allein, den möglichen Kurs von Moby Dick vorauszuberechnen, der sich als Einzelgänger abseits der Pottwal-Herden bewegt.
Zudem humpelt er tagein-tagaus die Straßen von Nantucket auf und ab und sammelt mit schier unendlicher Geduld sämtliche Hufnägel ein, die er auf den schmutzigen Pflastersteinen finden kann, um aus diesem hochwertigsten aller Eisen, Beizeiten eine würdige und grausame Waffe für seine Revanche schmieden zu lassen.

Auch nach dem lange erwarteten Auslaufen der Pequod bleibt Ahab, sehr zur Verunsicherung der Mannschaft, zunächst ausschließlich in seiner Kajüte und tritt nur spätnachts an Deck, um unter dem fahlen Licht der Sterne endlose Runden über die hölzernen Planken zu spazieren. Erst auf hoher See zeigt er sich seinen Leuten und offenbart ihnen seine Absicht, anstelle des normalen Fangbetriebes gezielt Jagd auf den weißen Wal zu machen.
In einer rituellen Zeremonie fordert er neben der übrigen Besatzung insbesondere von seinen drei Steuermännern, Starbuck, Stubb und Flask, sowie von seinen drei Harpunieren Queequeg, Tashtego und Daggoo den feierlichen Schwur ein, Moby Dick mit demselben Hass zu verfolgen, der auch in seinem Herzen brennt. Um seinem Vorhaben auch einen materiellen Anreiz zu geben, nagelt er, für alle Mann gut sichtbar, eine kostbare spanische Golddublone mit dem Versprechen an den großen Hauptmast, dass der, der Moby Dick als Erster sichtet, die Münze als Belohnung erhalten soll.

Mit fanatischer Beharrlichkeit verfolgt Ahab den weißen Wal durch die Weltmeere und lässt sich von nichts und niemandem von seinem Vorhaben abbringen, obgleich ihm das Schicksal zahlreiche Möglichkeiten zum Umkehren bietet, wie beispielsweise die Begegnung mit dem britischen Walfangschiff Samuel Enderby. Deren Kommandant, Captain Boomer hat ebenfalls eine Begegnung mit Moby Dick hinter sich und dabei einen Arm verloren. Im Gegensatz zu Ahab hegt Boomer jedoch keinen Groll auf den riesigen Meereskoloss, sondern hat für sich das Resümee gezogen, dass man dieses “Ungeheuer, das nicht einfach nur beißt, sondern verschlingt“, am besten in Frieden lässt.
Bei anderer Gelegenheit begegnet die Pequod ihrem Schwesterschiff Rachel aus Nantucket unter dem Kommando von Captain Gardiner. Der Captain, ein alter Weggefährte Ahabs, bittet ihn verzweifelt um Hilfe bei der Suche nach einem seiner Fangboot, in dem sich Gardiners eigener Sohn befand, während sie ausgerechnet Jagd auf den weißen Wal gemacht hatten. Ahab lehnt jedoch mitleidlos ab, da ihm die Verfolgung Moby Dicks wichtiger ist.

Finale Konfrontation

Buchstäblich nichts kann Ahab von seinem Wahn abhalten. Selbst der Wiederstand seines ersten Steuermannes Starbuck, der als einziger zu erkennen scheint, dass der Captain der Pequod, der eigenen Worten zufolge “sogar die Sonne angreifen würde, sollte sie ihm etwas zuleide tun“, vollkommen geisteskrank ist.
Während eines heftigen Sturmes macht Ahab sich die abergläubische Furcht seiner Mannschaft vor dem Unbekannten zunutze, indem er behauptet, das durch elektrische Entladungen entstandene Elmsfeuer in der Takelage des Schiffes sei ein Zeichen des Schicksals, welches ihnen den Weg zum weißen Wal leuchtet.

In seiner Besessenheit findet Ahab mittlerweile keinerlei Ruhe mehr und steht buchstäblich Tag und Nacht an Deck, um Ausschau nach Moby Dick zu halten. Schließlich sichtet er seinen verhassten Feind und beansprucht die Golddublone für sich selbst. Mit unerhörten gotteslästerlichen Flüchen seine Ruderer antreibend, führt er selbst die Jagd auf Moby Dick an. Der gespenstisch bleiche Wal attackiert jedoch Ahabs Boot und beißt es mit seinem gewaltigen Kiefer mittendurch.
Am zweiten Tag der Hetzjagd, begibt er sich abermals ins Boot und wieder greift Moby Dick seine Verfolger an und zerschmettert alle drei Fangboote. Captain Ahab wird gerettet, jedoch wurde seine Beinprothese zerbrochen. Mr. Starbuck fleht Ahab an, Vernunft anzunehmen und die selbstmörderische Jagd abzubrechen. Ahab will davon jedoch nichts wissen und erklärt, er werde Moby Dick “bis in die Flammen der ewigen Verdammnis verfolgen, ehe er ihn aufgibt“.

Am dritten Tag lässt Captain Ahab zum letzten Mal sein Boot zu Wasser um seiner Beute nachzustellen; bewaffnet mit der speziellen Harpune, die der alte Schmied Perth für ihn angefertigt hat und die Ahab im Namen des Satans in Blut hat ablöschen lassen. Der weiße Wal, nunmehr endgültig ernst machend, rammt mit voller Geschwindigkeit die Pequod und versenkt das Schiff mitsamt der Mannschaft.
Vor Zorn völlig von Sinnen, setzt Ahab Moby Dick weiter nach. Mit einem schrecklichen Fluch auf den Lippen schleudert er das Eisen und fügt dem rasenden Meeressäuger eine schwere Wunde zu und besiegelt damit auch sein eigenes Schicksal.

Da er sich in der Leine der Harpune verheddert hat, reißt Moby Dick während seiner Flucht Captain Ahab aus dem Boot und zerrt ihn hinab in ein tiefes, dunkles Grab im Schoß der Ozeane.

Erscheinungsbild

Captain Ahab ist ein großgewachsener, wettergegerbter, sehniger Mann Ende Fünfzig mit ergrautem Haar und einer geradezu erschreckend intensiven Präsenz. Seine charismatische Ausstrahlung lässt ihn für andere regelrecht überlebensgroß erscheinen. Dieser Eindruck wird durch seine harten, faltenzerfurchten Züge mit den durchdringend blickenden Augen, in denen das Feuer des Wahnsinns lodert, nur noch verstärkt – zudem verläuft eine breite, fahle Narbe von seinem Haaransatz an seinem Gesicht und bis zum Hals herab, was ihn noch wesentlich einschüchternder wirken lässt.

Das auffälligste äußerliche Merkmal an ihm ist jedoch die bleiche Prothese aus Walfischknochen, auf dem er durchs Leben humpelt, seit der legendäre Albino-Pottwal Moby Dick ihm das Bein knapp unterhalb des Knies abgebissen hat.

Gekleidet ist er überwiegend in dunkle, zweckmäßige seetaugliche Kleidung. Auf dem Kopf trägt er zuweilen einen Zylinder und dazu einen schwarzen Mantel, der an sein Quäkererbe erinnert.

Auftritte

Literatur

  • 1851: Moby Dick; oder: Der Wal (Moby Dick; or, The Whale) – Seefahrer-Abenteuerroman, geschrieben von Herman Melville.
    Melvilles Moby Dick erschien erstmals im Oktober 1851 bei Richard Bentley in London. Herausgegeben wurde der Roman in drei Bänden unter dem Titel The Whale (engl. Der Wal) und wurde, nach Durchsicht der britischen Zensoren ohne Epilog und um einige monarchie- und kirchenkritische Passagen gekürzt, veröffentlicht.
    Die US-amerikanische Erstausgabe erschien ungekürzt im November desselben Jahres unter dem Titel Moby-Dick; or, The Whale bei Harper & Brothers, New York.

    Die klassische Seefahrer-Abenteuergeschichte, die auch umfangreiche naturwissenschaftliche Informationen über Wale und auch über die Geschichte des Walfanges an sich enthält, wurde bereits zahllose Male ins Deutsche übertragen. Zu den bekanntesten Übersetzungen gehören unter anderen die Ausgabe von Wilhelm Strüver, die 1927 im Theodor Knaur Verlag, Berlin herausgegeben wurde, sowie auch jene von Alice und Hans Seiffert, die 1956 in der Dieterich’schen Verlagsbuchhandlung, Leipzig erschien.
    Als eine der besten deutschen Übersetzungen gilt bis heute die Ausgabe von Richard Mummendey, die 1964 im Winkler Verlag in München publiziert wurde.

Film & Fernsehen (Auswahl)

Im Laufe der Jahre wurde der Moby Dick-Stoff viele Male für Film und Fernsehen adaptiert, wobei es eine große Bandbreite von werkgetreuen Bearbeitungen bis hin zu sehr freien Interpretationen gibt, die nur noch grundthematisch auf der Romanvorlage basieren.

  • 1926: Wenn Meer und Himmel sich berühren (The Sea Beast) – Stummfilm-Adaption, gedreht von Millard Webb nach dem Drehbuch von Bess Meredyth, Rupert Hughes und Jack Wagner.
    Diese sehr frei erzählte erste Leinwandversion der Geschichte portraitiert Captain Ahab als tragischen Sympathieträger, der mit seinem Halbbruder Derek um die Gunst der schönen Pastorentochter Esther wetteifert. Nachdem Derek ihn während der Jagd auf Moby Dick aus dem Fangboot stößt und der Wal ihm das Bein abbeißt, wendet die junge Frau sich wegen des groben Holzbeins, auf das er nun angewiesen ist, von ihm ab und heiratet seinen heimtückischen Bruder. Ahab selbst projiziert seinen Kummer und Hass auf den Wal und nimmt die schicksalsträchtige Verfolgungsjagd auf.
    Die Hauptrolle des Captain Ahab Ceeley spielte der amerikanische Bühnen- und Filmschauspieler John Barrymore (*1882; †1942)
  • 1930: Moby DickErste Tonfilm-Version, gedreht von Lloyd Bacon nach dem Drehbuch von Oliver H.P. Garrett.
    Der Schwarz-Weiß-Film ist mehr ein Remake des Stummfilmes von 1926 als eine Adaption von Melvilles Roman, obgleich dessen Originaltitel verwendet wurde. Auch hier ist Ahab ein sympathischer, romantischer Held, der sich in Faith, die Tochter von Reverend Mapple verliebt und während einer Fahrt sein Bein an Moby Dick verliert. Durch die Intrigen seines eifersüchtigen Bruders Derek, glaubt Ahab fälschlich, dass Faith ihn wegen seiner Verkrüppelung nicht mehr haben möchte und zieht aus, um sich an dem weißen Wal zu rächen. Nachdem es ihm tatsächlich gelungen ist, den legendären Wal zu erlegen, kehrt er “von seiner Rachsucht erlöst“ nach Hause zurück und heiratet Faith.
    Auch in dieser Neuverfilmung wurde Captain Ahab Ceely von John Barrymore dargestellt.
  • 1930: Dämon des MeeresDeutsche Version der ersten Tonfilm-Adaption, gedreht von Michael Curtiz und Wilhelm Dieterle nach dem Drehbuch von Ulrich Steindorff.
    Da in den frühen Tagen des Tonfilmes die Synchronisationstechnologie noch vollkommen in den Kinderschuhen steckte, wurden stattdessen von großkalibrigen Produktionen auch ganze Filmfassungen in anderen Sprachen und mit anderen, landesbekannten Darstellern gedreht; so auch im Falle von Moby Dick.
    Die deutsche Parallelproduktion folgt derselben Geschichte wie die Lloyd Bacon-Fassung, lediglich einzelne Namen wurden für den damaligen deutschen Markt angepasst – so heißt der einbeinige Captain hier nicht Ahab Ceely, sondern Christoph Ahab.
    Dargestellt wurde er vom deutsch-US-amerikanischen Schauspieler und Regisseur Wilhelm Dieterle (*1893; †1972).
  • 1956: Moby DickErste Farbfilm-Adaption, gedreht von John Huston nach dem Drehbuch von Ray Bradbury und Huston selbst.
    Der aufwändig inszenierte und teilweise an Originalschauplätzen gedrehte Spielfilm gilt, trotz diverser Kürzungen aus dramaturgischen Gründen, als die erste werkgetreue Leinwandadaption von Melville’s Roman. Lediglich die zahlreichen naturwissenschaftlichen Exkursionen und die, beinahe sachbuchartig anmutenden, Passagen über die Geschichte des Walfanges, sowie zwei Schiffsbegegnungen wurden ausgelassen.
    Die Rolle des Captain Ahab wurde vom US-amerikanischen Schauspieler Gregory Peck (*1916; †2003) verkörpert.
  • 1998: Moby DickFernseh-Zweiteiler, gedreht von Franc Roddam nach dem Drehbuch von Anton Diether, Roddam selbst und Benedict Fitzgerald.
    Auch der zweiteilige Fernsehfilm folgt der Romanvorlage bis auf einige kleinere Abweichungen, wie beispielsweise, dass der weiße Wal seine Verfolger nicht in eine Flaute am brütend heißen Äquator lockt, sondern ins nördliche Packeis hinauf. Zudem wird in dieser Fassung der geistigen Zerrüttung Ahabs deutlich mehr Raum gegeben. Trotz des gewissen Abscheus, den man für ihn empfindet, kann man sich seiner charismatischen Ausstrahlung und seinem fanatischen Eifer nicht gänzlich entziehen.
    Captain Ahab wurde vom britischen Charakterdarsteller Patrick Stewart (*1940) gespielt.
    [Anmerkung: Gregory Peck, der 1956 den Ahab verkörpert hatte, trat hier in seiner letzten Rolle als Prediger Mapple auf.]
  • 2010: 2010: Moby DickModernisierte Direct-to-DVD-Adaption, gedreht von Trey Stokes nach dem Drehbuch von Paul Bales.
    In dieser, bewusst trashig inszenierten, Low-Budget-Version, die in der Gegenwart angesiedelt ist, ist Captain Ahab der Kommandeur des Militär-U-Bootes Pequod im Dienst der US-Navy. Seit er als junger Lieutenant bei seiner ersten Begegnung mit einem titanischen urzeitlichen Walfisch-Monster ein Bein verloren hat, ist er davon besessen die Kreatur aufzuspüren und zu vernichten. Dafür ist er bereit, sein, eigens zu diesem Zweck umgerüstetes U-Boot, sowie auch seine ganze Mannschaft zu opfern.
    Der “neuzeitliche“ Captain Ahab mit seiner futuristischen Beinprothese aus Titanstahl wurde vom US-amerikanischen Schauspieler Barry Bostwick (*1945) dargestellt.
  • 2011: Age of the DragonsFantasy-Variante, gedreht von Rian Little nach dem Drehbuch von Gil Aglaure, Anne K. Black und McKay Daines.
    Diese sehr freie Adaption von Melville’s Erzählung ist in einer mittelalterlichen Fantasy-Welt angesiedelt, in der Drachen wegen ihres Vitriol-Sekrets, dem Grundstoff des gefürchteten Drachenfeuers, gejagt werden. Der legendärste aller Drachenjäger ist der wahnsinnige Ahab, der davon besessen ist, den sagenumwobenen weißen Drachen zur Strecke zu bringen, der vor Jahren bei einem Angriff seine Schwester getötet- und ihm selbst schwere Verbrennungen am ganzen Leib zugefügt hat.
    In dieser Fassung wurde der “Drachenjäger“ Ahab vom US-amerikanischen Schauspieler Danny Glover (*1946) verkörpert.
  • 2011: Moby DickZweiteilige Fernseh-Miniserie, gedreht von Mike Barker nach dem Drehbuch von Nigel Williams.
    Die bislang aktuellste Filmadaption [Stand Juni 2021, Anm.] geht gewissermaßen eigene Wege, wobei insbesondere die Figur des Captain Ahab deutlich entmystifiziert wurde, da der Fokus auf ihn als Privatperson gelegt wurde. Zudem hat der Drehbuchautor eigens eine Ehefrau namens Elizabeth hinzugefügt, um auch eine weibliche Hauptrolle in die Handlung einzuweben. Ahab gibt sich hier um einiges leuteseliger und menschlicher als in anderen Adaptionen und lässt seinen Wahnsinn erst nach und nach durchbrechen, bis es zu spät ist.
    Trotz des neuen Ansatzes und der hochkarätigen Besetzung gilt diese Version nur als schwache Umsetzung des Stoffes und floppte insbesondere im deutschsprachigen Raum, vor allem da hier aus “lizenzrechtlichen Gründen“ fast eine volle Stunde der insgesamt 185-minütigen Laufzeit herausgeschnitten wurde.
    Captain Ahab wurde vom US-amerikanischen Oscarpreisträger William Hurt (*1950) dargestellt.

Einflüsse auf andere Medien (Auswahl)

Ahab (X-Men)

Ahab, der Mutantenjäger - (c) by Marvel-Comics, gezeichnet von Alan Davis.

Der Marvel-Schurke Dr. Roderick Campbell alias Ahab war ursprünglich ein Wissenschaftler, der die Leitung des von der US-Regierung gebilligten “Hound-Programms“ übernahm – ein Projekt, dass speziell ausgebildete und gehirngewaschene fanatisch-loyale Mutantenjäger hervorbringen sollte. Infolge eines Unglücks wurde Dr. Campbell von einer seiner eigenen Konditionierungsmaschinen schwer verwundet und wurde, um sein Leben zu retten, in einen Cyborg konvertiert und mit dem Codenamen “Ahab“ versehen.

Nunmehr als Captain der Hounds, ist er nur noch von dem Gedanken besessen, die verhassten Mutanten, denen er die Schuld an seinem Schicksal gibt, aufzuspüren und mit seinen eigens entwickelten Hochenergie-Harpunen zur Strecke zu bringen.

Seit seinem Unfall besitzt Ahab einen mechanischen Torso und mechanische Arme. Sein linkes Bein endet unterhalb des Knies in einer metallenen Hightech-Prothese, die entfernt an ein klassisches Holzbein aus vergangenen Tagen erinnert. Zudem zieht sich eine breite Narbe quer über sein Gesicht und sein rechtes Auge wurde ebenfalls gegen ein kybernetisches Implantat ersetzt. Auf seiner zerfurchten Stirn trägt er ein elektronisches Band, welches ihm erlaubt, seine Hounds via Gedankenkraft zu kontrollieren und fernzusteuern.

Die Gesichtszüge Ahabs mit der Adlernase, der weißen Haarsträhne und dem Abraham-Lincoln-Bart sind eine bewusste Hommage an Gregory Pecks Inkarnation der rachezerfressenen literarischen Figur.

Wissenswertes

  • Einige Motive und Textpassagen Captain Ahabs wurden fast 1:1 auf den Schurken Khan Noonien Singh im Science-Fiction-Film Star Trek II: Der Zorn des Khan übertragen.
  • Für die Filmfassung von 1956 wurden insgesamt drei Moby Dick-Modelle in Originalgröße von dreißig Metern Länge konstruiert. Die Pottwal-Attrappen bestanden aus einem mit Gummi überzogenem Stahlkern und kosteten an die dreißigtausend Dollar pro Exemplar.
    Das erste Exemplar versank jedoch und beim Zweiten riss die Schleppleine, sodass der Stahl-Gummi-Koloss auf’s offene Meer hinausgetrieben wurde. Noch Monate nach dem Ende der Dreharbeiten gab es Berichte über Sichtungen eines weißen Geisterwals vor der irischen Küste.
  • Gregory Peck, der 1956 den rachsüchtigen Captain Ahab gespielt hatte, war zeitlebens nicht gänzlich glücklich mit der Rolle. Er fand stets, dass er mit seinen damals achtunddreißig Jahren zu jung für den Part gewesen sei und, dass die Rolle mehr verlangt hatte, als er in jenem Alter zu geben im Stande gewesen sei.
  • Auch wenn Pecks Darstellung einer von Rachegelüsten deformierten Persönlichkeit heute als sehr gelungen gefeiert wird, waren zeitgenössische Kritiker der Meinung, er hätte gut gespielt, wäre aber dennoch eine Fehlbesetzung gewesen, zumal der Schauspieler in jenen Tagen insbesondere im Rollenfach des romantisch-melancholischen Sympathieträgers brilliert hatte.
  • Star Trek-Star Patrick Stewart hatte in seiner Paraderolle als Captain Jean-Luc Picard vom Raumschiff Enterprise bereits zwei Jahre vor seiner Ahab-Darstellung einige seiner Textpassagen aus Moby Dick zitiert. In Star Trek: Der erste Kontakt aus dem Jahr 1996 wurde Picard zeitweilig abseits jeder Vernunft von seinen Rachegelüsten gegen die Borg getrieben, die ihn Jahre zuvor gewaltsam zu einem der ihren gemacht hatten.
  • In der prominent besetzten Fernseh-Produktion von 1998 wurde Captain Ahabs Wiederpart, der rechtschaffene und fromme erste Steuermann Starbuck vom US-amerikanischen Schauspieler Ted Levine (*1957) dargestellt, der in Das Schweigen der Lämmer den Serienmörder Buffalo Bill- und in der Krimiserie The Alienist den korrupten Polizeichef Thomas Byrnes verkörpert hatte.
    Zudem wurde der strenge und polternd-raubeinige, im Grunde aber dennoch gutherzige zweite Steuermann Stubb vom australischen Charakterdarsteller Hugh Keays-Byrne (* 1947; †2020) gespielt, der 1979 als Toecutter und 2015 als Immortan Joe gleich zwei Auftritte als Hauptschurke im Mad Max-Universum absolviert hatte.
  • Danny Glover stand während der Dreharbeiten von Age of the Dragons nur für elf Tage zur Verfügung, weswegen eigens die Hintergrundgeschichte Ahabs im Drehbuch umgeschrieben wurde, sodass er in seiner Jugend Brandnarben durch Drachenfeuer erlitten hat und wegen der permanenten Schmerzen das Sonnenlicht meiden muss. So wurden sämtliche Aufnahmen des vermummten Ahabs von einem Body-Double gespielt und Glovers Szenen in nur zehn Tagen abgedreht. Den Text für die übrigen Aufnahmen mit dem Double nahm Danny Glover am elften Tag in einem Tonstudio auf.
  • Ursprünglich war der US-amerikanische Method-Actor Val Kilmer (*1959) im Gespräch für den Part des Ahab in Age of the Dragons, ehe Danny Glover verpflichtet wurde.
  • Während die meisten Ahab-Darsteller sich für ihre Rolle auf unbequeme bis regelrecht schmerzhafte Weise ein Bein nach hinten schnallen mussten und auf dem Requisiten-Walknochenbein dahinstaksten, trug William Hurt überwiegend einen blauen Strumpf, damit der Stelzfuß nachträglich via CGI eingefügt werden konnte. Er befand sich also in der komfortablen Situation, das Holzbein “nur spielen zu müssen“.
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