“Du! Sag mir, wie oft soll ich dich eigentlich noch umbringen.”
— Dschafar als Aladdin im Final des Films entdeckt (Aladdin, 1992)
“So, so, eine Schlange. Dann werde ich dir mal zeigen wie Ssschlangenhaft ich wirklich bin!”
— Dschafar zu Aladdin als er sich in eine riesige Kobra verwandelt (Aladdin, 1992)
“Jaaaaa. JAAAAAA! Noch mehr Macht! Jetzt gehört MIR die absolute MAAAAAAAACHT! JETZT HERRSCHE ICH ÜBER ALLE PLANETEN! DAS GANZE UNIVERSUM!”
— Dschafar erlangt die komplette Macht zu einem hohen Preis. (Aladdin, 1992)
“Aladdin, Leute, wie wir dürfen uns nichts vormachen. [...] Ich war einst genau wie du. Ein gewöhnlicher Dieb, nur hatte ich größere Pläne. Stiehl ein Apfel und du bist ein Dieb. Stiehl ein Reich und du bist ein Staatsmann. Dort bleibt nur stehen, wer schwach ist. Entweder bist du der mächtigste Mann im Saal oder du bist nichts!”
— Dschafar erklärt Aladdin seine Weltanschauung. (Aladdin, 2019)
Dschafar, im Original, in Once Upon a Time in Wonderland und Descendants Jafar, ist der Hauptantagonist von Disneys Zeichentrickfilm Aladdin aus dem Jahr 1992, sowie von dessen Fortsetzung Dschafars Rückkehr (1994) und dessen Remake aus dem Jahr 2019. Zudem ist er der Hauptantagonist aus der Serie Once Upon a Time in Wonderland (2013-2014), ein Bossgegner aus Kingdom Hearts (2002-2010) und ein Bösewicht aus Mickys Clubhaus (2001-2004) und Descendants - Die Nachkommen (2015).
Als königlicher Wesir von Agrabah galt er als der vertrauenswürdigste und treueste Diener des Sultans. In Wahrheit verachtete der machtgierige Dschafar den Sultan leidenschaftlich. Da er aber nicht offen gegen den Sultan vorgehen konnte, suchte er über viele Jahre nach einer magischen Lampe, die einen allmächtigen Dschinni enthielt, um mithilfe kosmischer Macht den Thron an sich zu reißen. Hilfe bekam er dabei von einem sprechenden, intelligenten Papagei namens Jago.
Dschafar basiert lose auf dem bösen Zauberer und Wesir aus dem Volksmärchen Aladin in der Geschichtensammlung Tausendundeine Nacht. Mit einer eleganten, aber verwegenen Herangehensweise an Schurkereien, gepaart mit einem trockenen Sinn für Humor und Bedrohlichkeit, gehört Dschafar zu den bekanntesten Bösewichten von Disney und tauchte später als Hauptmitglied des Disney Villains-Franchise auf.
Im Original wurde Dschafar von Jonathan Freeman (*1950) gesprochen, der auch Cash Buckzo und Paimon in Helluva Boss (2022) sprach.
Im Deutschen lieh Joachim Kemmer (* 1939, † 2000) ihm in den Filmen und einer Folge der Serie Hercules von 1999 seine Stimme, nach seinem Tod übernahm Jan Spitzer (* 1947, † 2022) die Rolle für alle weiteren Produktionen.
In Dschafars Rückkehr von 1994 verwandelt Dschafar sich in Prinzessin Jasmin, um Aladdin scheinbar von seiner großen Liebe zum Tode verurteilen zu lassen. In dieser Gestalt wird er im Original und im Deutschen von ihren Synchronsprecherinnen gesprochen, jeweils Linda Larkin und Maud Ackermann (*1965)
In der Realverfilmung aus dem Jahr 2019 wurde Dschafar von den tunesisch-niederländischen Schauspieler Marwan Kenzari (* 1983) verkörpert. Synchronisiert wurde er von Florian Halm (* 1964).
Persönlichkeit[]
Dschafar wird als unmoralischer Psychopath dargestellt, der nicht zögert, jeden zu töten, den er als Bedrohung für seine eigenen finsteren Pläne wahrnimmt. Wie zahlreiche klinisch diagnostizierte Psychopathen trägt Dschafar während des gesamten Films eine metaphorische Maske der Normalität, etabliert sich als nüchterner Intrigant und gewinnt das Vertrauen der Menschen um ihn herum, trotz seines eher nicht vertrauenswürdigen Aussehens. Selbst mit dieser Tarnung neigen Dschafars psychopathische Tendenzen dazu, durchzusickern und dem Betrachter offensichtlich zu werden, insbesondere in der Eröffnungssequenz, in der Dschafar, abgesehen von der unmittelbaren anfänglichen Wut darüber, dass Gazzim, der Dieb, nicht derjenige war, der der "ungeschliffene Diamant" war, keine Reue zeigte, Gazzim in die Höhle der Wunder und in dessen Tod geschickt zu haben, indem er einfach in einem ziemlich trockenen Tonfall verkündete, dass "Gazzim offensichtlich weniger würdig war". Erst als Dschafar die Kontrolle über die Lampe des Genies erlangt, zeigt er sein wahres Gesicht und wird arrogant, tyrannisch und übellaunig gegenüber seinen Untertanen. Kurz nachdem er Aladdin verbannt hatte, wurde er auch als übermäßig lachend und gestört dargestellt, was darauf hindeutet, dass Dschafar auch verrückt war und an Hysterie litt.
Dschafar zeigte narzisstische Tendenzen, seine offensichtlichsten sind sein obsessives Verlangen nach Macht und Anspruchsdenken. Seine Machtgier rührt jedoch nicht von einem bloßen Wunsch nach Autorität her (obwohl dies ein motivierender Faktor ist), sondern eher von einer Intoleranz gegenüber Unterordnung. Dschafar verabscheute es, „zweitbester“ zu sein – sei es gegenüber dem Sultan oder einer kosmische Einheit wie der Dschinni. Es war dieser übermäßige Machthunger, der letztendlich zu Dschafars Untergang führte. Als Dschafar zum mächtigsten Zauberer (und damit der mächtigste Mann der Welt) wurde, erkannte er, dass seine Macht der des Dschinnis immer noch unterlegen war, was ihn dazu brachte, hastig selbst ein Dschinn zu werden, ohne zu wissen, dass dies ihn zu einem Sklave für alle Ewigkeit machen würde.
Dschafar hatte eine etwas humoristische Note, die dazu beitrug, seinem Charakter etwas Menschlichkeit zu verleihen, indem er zum Beispiel die Nase rümpfte, wenn er über eine Enthauptung nachdachte, eine Eigenschaft, die bei einem Disney-Bösewicht ungewöhnlich ist. Darüber hinaus besaß Dschafar selbst einen sadistischen Sinn für Humor und sagte mehrere Wortspiele hintereinander auf, während er Aladdin und seine Freunde davon abhielt, die Lampe während des Höhepunkts des ersten Films zu stehlen. Weitere Menschlichkeit findet sich in seiner Beziehung zum Papagei Jago. Obwohl Dschafar die treibende Kraft hinter jeder Handlung war und wiederum den größten Teil des Lobes und der Belohnung einheimste, teilten er und Jago eine Kameradschaft, die für Disney-Bösewichte und ihre Handlanger ungewöhnlich ist. Da sie beide gerissen, sadistisch und machthungrig waren und einen gegenseitigen Hass auf den Sultan hatten, verstanden sie sich recht gut. Weil sie beide hochmütig waren, neigten die beiden jedoch auch zu kleineren Streitereien.
Er fühlte sich auch von Prinzessin Jasmin angezogen, aber in erster Linie wegen ihrer körperlichen Erscheinung und nicht wegen Jasmine selbst als Person. Sein letzter Wunsch war ursprünglich, dass Jasmine sich verzweifelt in ihn verliebte, damit er sie zu seiner Königin machen konnte (er und Jago hatten ursprünglich vor, sie zu töten, sobald er Sultan wurde, aber einige Zeit später weigerte er sich, sie zu töten). Er kreierte ihr zuerst eine goldene Krone aus ihren Fesseln, und sagte ihr, dass sie seine Königin werden sollte. Allerdings saget er viel früher in einer Art und Weise, die man als sexistisch bezeichnen würde, dass Jasmins Sprachlosigkeit "eine feine Eigenschaft einer Ehefrau" sei.
Gelöschte Szenen für den Originalfilm implizierten, dass die meisten seiner negativen Eigenschaften und Motive darauf zurückzuführen waren, dass er verarmt gewesen war und von der Bevölkerung von Agrabah schikaniert worden war, was ihn Aladdin etwas ähnlich machte.
Unterschiede zwischen den Versionen:[]
| 1992 | 2019 | |
|---|---|---|
| Dschafar ist viel älter als Aladdin und Jasmin, die er begehrt | Dschafar ist ungefähr im selben Alter wie Aladdin und Jasmin. | |
| Laut einer gelöschten Szene hat Dschafar einen ähnlichen Hintergrund wie Aladdin und kommt ebenfalls aus der ärmlichen Verhältnissen; im Film wird das aber nie erwähnt. | Dschafars Vergangenheit als Dieb wird mehrfach erwähnt und seine immer noch vorhandene Fähigkeit oft demonstriert. | |
| Dschafar sendet zwar Gazim ohne Reue in den Tod, doch dieser geht freiwillig mit der Aussicht auf reiche Belohnung, weswegen sich Dschafar des Mordes nicht schuldig macht. | Dschafar ist ein Mörder, er zwingt einen Gefangenen durch die Gewalt der Wachen in die Wunderhöhle, die über ihm zusammen bricht. Zusätzlich stößt er einen seiner Soldaten in einen ausgetrockneten Brunnen, als dieser ihn als zweitmächtigsten Mann bezeichnet. | |
| Dschafar enthüllt über eine magische Sanduhr die Identität des von ihm ungeschliffenen Diamanten. | Jago entdeckt Aladdin im Palast und weiß aus unbekannten Gründen, dass er der von Dschafar gesuchte ungeschliffene Diamant ist. | |
| Dschafar schickt die Palastwachen aus, Aladdin gefangen zu nehmen, nach dem er erfahren hat, dass er die Wunderhöhle betreten darf. | Dschafar wird von Jago über Aladdins Anwesenheit im Palast informiert und gleich dort auf seinen Befehl hin in Gewahrsam genommen. | |
| Dschafar verkleidet sich als Bettler, um Aladdin zur Wunderhöhle zu locken und gibt niemals seine wahre Identität preis. | Dschafar gibt sich offen als der Großwesir zu erkennen und nutzt seinen richtigen Namen. | |
| Nach dem Verlust der Lampe kommt Jago auf die Idee, dass Dschafar Jasmin heiraten muss, um dennoch Sultan zu werden. | Ein Alternativplan wird von keinem der Beiden ausgeheckt. | |
| Dschafar fühlt sich trotz des großen Altersunterschied körperlich zu Jasmin hingezogen, hat aber wenig für ihren unabhängigen Charakter oder ihre persönliche Meinung übrig. | Dschafar fühlt sich nicht zur Prinzessin hingezogen, ist aber sehr irritiert von ihrem unabhängigen Charakter oder dass sie permanent ihre persönliche Meinung zum Besten gibt. Sie zu heiraten dient eher dem Zweck den Sultan zu quälen als sie als Trophäenfrau zu besitzen. | |
| Dschafar kann einer Verhaftung auf Befehl des Sultans mit einer Rauchbombe entgehen. | Dschafar wird auf Befehl des Sultans in den Kerker geworfen, aber von Jago befreit, der seinem Herrn die Schlüssel zukommen lässt. | |
| Jago stiehlt auf Dschafars Befehl hin Aladdin die Lampe. | Als ehemaliger Dieb entwendet Dschafar Aladdin die Lampe selbst. | |
| Dschafar verwandelt sich im Kampf gegen Aladdin in eine gigantische Kobra. | Dschafar verwandelt sich im Kampf gegen Aladdin nicht, verwandelt stattdessen jedoch Jago in gigantisches Monstrum, damit er ihm die Lampe wieder beschafft. | |
| Dschafar wünscht sich explizit ein allmächtiger Dschinni zu werden, wodurch er zum Sklaven seiner Lampe wird. | Dschafar wünscht sich das mächtigste Wesen des Universums zu werden, eine Grauzone, die der parteiische Dschinni so interpretiert, dass er ein Dschinni werden will, mit allen Konsequenzen. | |
| Während Dschafar in die Lampe gesogen wird, greift er in Panik nach Jago und zerrt ihn mit in die Lampe. | Dschafar zerrt Jago aus kleinlichem Trotz mit in sein Verderben, gerade als dieser sich von ihm verabschiedet und davon fliegen will. |
Hintergrund:[]
- Dschafars Supervising Animator war Andreas Deja, der zuvor schon für Gastons Design in Die Schöne und das Biest und danach für Scar in Der König der Löwen verantwortlich war.
- Für Dschafars Bettler- und Kobraform zeichnete sich Kathy Zielinski verantwortlich, die später die Supervising Animatorin für Richter Claude Frollo in Der Glöckner von Notre Dame wurde.
- Da er einen Großteil des Films damit verbringt, seine wahren Gefühle zu verbergen, hat Andreas Deja Dschafars Gesicht so gestaltet, dass es einer Maske ähnelt.
- Dschafar ist der einzige Disney-Schurke, der nicht in seinem ersten, sondern erst in seinem zweiten Film stirbt.
- Während der Szene, in der Dschinni über seinen Wunsch nach Freiheit spricht, verwandelt er sich kurz in eine finster aussehende Version von sich selbst mit einem rötlich-rosa Farbton, ähnlich dem, was Dschafar beim Höhepunkt annimmt, und nimmt sogar einen ähnlichen Hintergrund und eine ähnliche Körperhaltung an.
- Sowohl Dschinnis Beschreibung dessen, was Dschinni sein beinhaltet, als auch die Szene von Dschafars Verwandlung im Höhepunkt sind Hommagen an den Disney-Kurzfilm Unser Freund das Atom (1957).
- Die Beleuchtung von Dschafars Dschinni-Design ist eine Hommage an Chernabog aus Fantasia (* 1940).
- Ursprünglich sollte Dschafar, als er seinen Wunsch äußerte, Sultan zu werden, mehr anrichten, als nur die Kleidung des Sultans zu stehlen und Dschinni den Palast auf einem Berg hinter ihnen platzieren zu lassen: Er sollte auch eine Schockwelle auslösen, die dazu führte, dass die Geschichte so verändert wurde, dass es so aussah, als ob Dschafar die ganze Zeit der Sultan gewesen wäre, anstatt nur ein machtgeriger Wesir. Die einzigen, die dagegen immun waren und ihr Wissen über das, was wirklich passiert war, bewahrten, waren der Zauberteppich (weil er immun gegen die Auswirkungen der Welle war), Aladdin und Abu (die beiden letzteren wurden in letzter Sekunde vom Zauberteppich bedeckt). Dieser Handlungspunkt wurde gekürzt, weil er als zu verwirrend angesehen wurde, obwohl ein ähnlicher Handlungspunkt schließlich in einer Episode der Aladdin-Serie verwendet wurde.
- Wie der Dschinni kann Dschafar nach seiner Transformation in einen Flaschengeist Anspielungen auf die moderne Popkultur machen, die seiner Zeit weit vorraus sind. In seinem Fall verwandelt er sich im zweiten Teil in Norma Bates' Leichnam, um seine Gegner zu erschrecken, wie im Finale des klassischen Horrorfilms Psycho von 1960.
- In der Serie Once Upon a Time in Wonderland (2013-2014) spielte der Brite Naveen Andrews (* 1969) Jafar. Die deutsche Synchronisation übernahm Claus-Peter Damitz (* 1960), der auch Dr. Bolivar Trask in X-Men: Zukunft ist Vergangenheit (2014) und Jerry Smith in Rick and Morty (seit 2013) synchronisiert und seit 2016 die deutsche Stimme von Ned Flanders in Die Simpsons (seit 1989) ist.
- In Descendants – Die Nachkommen (2015) wurde Jafar von Maz Jobrani (* 1972) dargestellt. Der deutsch-türkische Schauspieler Tayfun Bademsoy (* 1958) synchronisierte ihn im Deutschen.
- Im Aladdin-Musical wurde Dschafar von insgesamt sechs Schauspielern verkörpert. In Hamburg (2015-2019) spielte ihn Ethan Freeman (* 1959), der auch Pontius Pilatus in Jesus Christ Superstar (Tecklenburg, 2001), Dracula in Dracula (Basel/Tecklenburg, 2004) und den Sheriff von Nottingham in Robin Hood (Bremen, 2005) spielte. Am Broadway (seit 2014) spielt ihn Jonathan Freeman (* 1950), die Stimme von Dschafar in den Zeichentrickfilmen. Weitere Schauspieler sind Don Gallagher am West End in London (2016-2019), Roberto de Groot in Den Haag (seit 2021), Kimizuki Makino in Tokio (seit 2015), sowie Adam Murphy in Australien, Neuseeland und Singapur (2016-2019).
- Neben Patrick Stewart kamen auch Tim Curry, Kelsey Grammer, John Hurt, Christopher Lloyd und Ian McKellen für die Rolle des Jafar in Frage.
- Dschafars Zauberer-Outfit sollte ursprünglich blau sein, bevor die Farbe (symbolisch für das in der Wüste lebenswichtige Wasser) ausschließlich für die guten Figuren verwendet werden wollte.