Schurken Wiki
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Dieser Artikel wurde im April 2022 als Artikel des Monats vorgestellt.

Erique Claudin, genannt auch “Das Phantom der Oper“, ist der titelgebende, schurkische Hauptprotagonist im Universal-Monsterfilm Phantom der Oper (Phantom of the Opera) von Arthur Lubin aus dem Jahr 1943 und basiert lose auf dem gleichnamigen Charakter aus dem klassischen französischen Schauerroman Le Fantôme de l'Opéra von Gaston Leroux aus dem Jahr 1910.
Bei dem, in aufwändigem Technicolor gedrehten Grusel-/Musik-/Kriminalfilm handelt es sich um die erste Tonfilmadaption- und zugleich die erste Farbfilm-Version der Geschichte.

Der entstellte Wahnsinnige, der sein säureverbranntes Gesicht hinter einer Maske verbirgt, terrorisiert die ganze Pariser Oper und stalkt zugleich die junge Sopranistin Christine, die er bereits in seinen Tagen als unbescholtener Violinist heimlich protegiert und gefördert hat. Voll rasender Eifersucht versucht er all jene zu beseitigen, die sich zwischen ihm und die liebliche Sängerin stellen und ist sogar bereit, über Leichen zu gehen, um sie zum gefeierten Star der Oper zu machen.

Dargestellt wurde der tragische Musiker, der infolge einer Verkettung unglücklicher Umstände und schrecklicher Missverständnisse den Verstand verliert und schließlich, von Säure entstellt und als Mörder gejagt, in der Pariser Oper untertaucht, vom britischen Bühnen- und Filmschauspieler Claude Rains (*1889; †1967), der 1933 als “Der Unsichtbare“ bereits einmal ein klassisches Universal-Monster gespielt hatte.

In der deutschen Synchronfassung wurde er von Hans Hinrich (*1903; †1974) gesprochen.

Charakterbiographie

Vorgeschichte

Erique Claudin ist seit zwanzig Jahren Musiker an der Pariser Oper.

Der leidenschaftliche Musiker und begabte Violinist Erique Claudin hat sein Zuhause in der französischen Provence vor Jahren hinter sich gelassen, um in Paris Karriere zu machen. Dank seines Talentes fand er eine Anstellung als Mitglied des renommierten Orchesters der großen Pariser Oper. Nach zwanzig Jahren kennt er das Opernhaus wie seine Westentasche und weiß um viele Geheimnisse, die sich hinter den Kulissen dieses wahren Tempels der Musik abspielen.

Claudin hat seine Anstellung verloren.

Mittlerweile in die Jahre kommend, beginnen jedoch die Finger von Claudins rechter Hand, vermutlich infolge von Gicht oder Arthritis, steif zu werden, sodass es ihm zunehmend schwerfällt, den anspruchsvollen und komplizierten Partituren folgen zu können. Dieser Umstand bleibt auch dem feinen Gehör von Maestro Villeneuve, dem Dirigenten des Hauses, nicht verborgen.

Spirale in den Abgrund

Claudins Wirtin droht, ihn rauszuschmeißen.

Nach der abendlichen Vorstellung, muss Claudin in dessen Büro vorsprechen und auf Wunsch von Monsieur Villeneuve etwas auf seiner Violine spielen. Zunächst trägt Claudin ein liebliches Wiegenlied aus seiner Heimat vor und kann den Maestro beinahe beschwichtigen. Als dieser jedoch den Anfang des dritten Aktes der heutigen Oper zu hören verlangt, muss Claudin bekennen, dass seine Finger dem nicht mehr gewachsen sind.
Da das oberste Gebot der Pariser Oper schlicht “Vollkommenheit“ lautet, wird Claudin, obwohl er bereits seit zwei Jahrzehnten Teil des Opernorchesters ist, mit sofortiger Wirkung entlassen, erhält jedoch in Anerkennung seiner langjährigen Dienste ein Jahresticket für die Oper.

Spät am Abend, als Claudin in die erschreckend schäbige Dachbodenkammer zurückkehrt, in die er sich eingemietet hat, stellt ihn zudem auch noch seine Hauswirtin Madame Marie vor ein allerletztes Ultimatum – Miete zahlen oder ausziehen.

Claudins letzte Hoffnung ist sein selbstkomponiertes Klavierkonzert.

Der wahre Grund für Claudins schlechte finanzielle Lage, obwohl er als Opern-Violonist ein ansehnliches Gehalt bezogen hat, liegt nicht an einem lasterhaften Lebenswandel, wie er ihm von seiner Vermieterin unterstellt wird, sondern an dem Umstand, dass er als heimlicher Gönner den Gesangsunterricht der lieblichen jungen Sopranistin Christine Dubois finanziert.
Sein selbsterklärtes Ziel ist es, Christine zu einer großen und berühmten Sängerin zu machen. Dafür hat er sie, aus dem Verborgenen heraus, zu Signor Ferretti, dem besten Gesangslehrer von ganz Paris geschickt, was jedoch seine Ersparnisse innerhalb einiger Monate vollständig aufgebraucht hat.

Ferretti zeigt Claudin ebenfalls die kalte Schulter, als er ihm von seiner Entlassung berichtet und erklärt, er werde ohne weitere Bezahlung den Unterricht von Mademoiselle Dubois einstellen, obwohl sie bereits kurz davor ist, bühnenreif zu sein. Zudem belächelt er Claudins Hingabe und meint, ein Mann in seinem Alter müsste mindestens Operndirektor sein, um ein junges Mädchen für sich zu gewinnen.

Claudins letzte Hoffnung ist nun sein ganz persönliches Lebenswerk – ein selbstkomponiertes Klavierkonzert, welches er dem renommierten Musikalienverlag “Pleyel et Desjardin“ zur Publikation übermittelt.

Geburt des Phantoms

Claudin erleidet einen Nervenzusammenbruch und schnappt über.

Als er selbst nach mehreren Wochen keinerlei Antwort von Monsieur Pleyel erhält, sucht der mittlerweile verzweifelnde Claudin die Büroräumlichkeiten des Verlages auf, um auf diese Art vorsprechen zu können. Nachdem man ihn jedoch unbarmherzig den ganzen Talg lang hat warten lassen, schleicht er sich auf eigene Faust in die Arbeitsräumlichkeiten des Verlagsleiters, der mit seiner Sekretärin/Geliebten gerade dabei ist, einen Satz frischer Druckplatten zu ätzen.

Claudin wird mit Säure übergossen.

Entsprechend ungehalten ist Pleyels Reaktion auf Claudins unerwünschten Besuch und dessen hartnäckigem Wunsch, seine Konzertmappe zurück zu erhalten. Gerade als die Sekretärin ihn abwimmeln möchte, nachdem sie den völlig überladenen Schreibtisch flüchtig begutachtet hat und Pleyel ihm voll zorniger Verachtung klarmacht, dass die “zweifelhaften Kompositionen von seinesgleichen“ ohnehin in den Papierkorb gehören, nimmt die Tragödie ihren schrecklichen Lauf.

Claudin flüchtet in den Untergrund.

Just während dieser unerfreulichen Szene studiert im Nebenzimmer kein geringerer als der gerade in Paris verweilende Klaviervirtuose Franz Liszt Claudins Partitur und ist hellauf begeistert. Ein Angestellter von “Pleyel et Desjardin“, der von Claudins Talent angetan ist, hat das Konzert dem Maestro zur Begutachtung vorgelegt, damit dieser ein gutes Wort für den so glücklosen Musiker einlegen möge, zumal Monsieur Pleyel übermäßig kritisch gegenüber unbekannten Künstlern ist. Liszt, der von dem Werk derart entzückt ist, dass er beginnt, es auf dem Flügel zu spielen, versichert, dass er sich für Erique Claudin einsetzen wird.

Claudin sucht die Oper fortan als "Phantom" heim.

Claudin jedoch, der seine Musik sofort erkennt, denkt seinerseits nun, dass Pleyel ihn um sein Lebenswerk betrügen will und erleidet nach dem wochenlangen Bangen und all den herben Rückschlägen, die er einstecken musste, einen kompletten Nervenzusammenbruch. Rasend vor Wut stürzt er sich auf den vermeintlichen Dieb und würgt Monsieur Pleyel zu Tode.
Daraufhin ergreift dessen Sekretärin das Wännchen voll Säure und schüttet es Claudin ins Gesicht. Unter grässlichem Kreischen, hysterischem Kichern und sich vor Schmerzen krümmend, ergreift er die Flucht, während der Wahnsinn endgültig von ihm Besitz ergreift.

Als Mörder gejagt und von Säureverbrennungen schrecklich entstellt, irrt er durch das nächtliche Paris, ehe er in die Kanalisation hinabsteigt und sich im Abwasser des Kanals die ätzende Flüssigkeit aus dem Gesicht wäscht. Danach zieht er sich von dort aus in die labyrinthartigen, mehr als neuneinhalb Kilometer umfassenden, Tunnel und Gewölbe unterhalb der Pariser Oper zurück.

Claudins Schreckensherrschaft

Das Phantom bedroht die Diva Biancarolli.

Während sich die blasierten Operndirektoren in ihrem luxuriösen Büro noch darüber mokieren, dass einer ihrer ehemaligen Violinisten nach zwanzig Jahren “die Frechheit besitzt, einen Mord zu begehen“ und dem ehrwürdigen Haus somit schlechte Publicity beschert, hat Claudin sich mit einem Kostüm und einer Maske aus dem Fundus, sowie mit diversen Delikatessen aus dem Opernrestaurant versorgt. Zudem hat er Nachts einen der Generalschlüssel der Direktoren gestohlen, mit dem sich jede einzelne der rund zweitausendfünfhundertdreißig Türen der Oper nach belieben öffnen lässt.

Bald schon hinterlässt er Drohbriefe, in denen er fordert, dass seine vergötterte Christine Dubois anstelle der eitlen und arroganten Diva, Madame Biancarolli die Hauptrolle in der nächsten aufgeführten Oper singen soll. Nachdem dies jedoch ignoriert wird, in der Hoffnung, ihn so aus seinem Versteck zu locken, versetzt er Biancarollis Getränk mit einem Betäubungsmittel, sodass sie vor ihrer großen Arie ausfällt und Christine als Zweitbesetzung einspringen muss. Zur großen Freude Claudins hat sich der teure Gesangsunterricht ausgezahlt und Christine feiert wahre Triumphe und wird gar als “die neue Sensation“ gefeiert.

Das Phantom flieht nach dem Mord an der Diva.

Die Euphorie hält jedoch nicht lange an, da die in ihrem Ego gekränkte Diva fordert, dass Christine zurück in den Chor muss, ansonsten würde sie für einen wahren Jahrhundertskandal sorgen und die junge Sängerin öffentlich wegen versuchten Mordes anklagen.
Sofort am nächsten Tag sucht Claudin sie in ihrer Garderobe auf und befiehlt ihr nachdrücklich, Paris auf der Stelle zu verlassen. Als die zänkische Diva sich jedoch widersetzt und versucht, ihm die Maske vom Gesicht zu reißen, bricht in Claudin abermals die Mordlust durch und er tötet Madame Biancarolli, sowie auch ihre Kammerzofe.

Bei seiner anschließenden Flucht über den Schnürboden der Oper, heftet sich der gefeierte Bariton Anatole Garron an seine Fersen. Nach einer halsbrecherischen Verfolgungsjagd über schmale Stege, wackelige Hängebrücken und durch einen wahren Wald von Seilen und Flaschenzügen hindurch, gelingt es Claudin beinahe, Garron in die Tiefe zu stoßen. Im buchstäblich allerletzten Moment kann der Sänger sich am schweren Bühnenvorhang festkrallen und somit dem Sturz in den sicheren Tod entgehen.

Höhepunkt des Grauens

Das Phantom sägt den schweren Kronleuchter ab.

Wiederum deponiert Claudin schriftliche Forderungen bei den Direktoren, dass Christine die Hauptrolle in der nächsten Oper singen soll. Auf Anraten von Inspektor Raoul D'Aubert von der Polizei wird diesen jedoch wieder nicht nachgegangen. Der Polizeibeamter, der wie auch sein Rivale Anatole Garron, ein Verehrer Christines ist, gedenkt, Claudin eine Falle zu stellen, indem er maskierte und kostümierte Polizisten unter die Komparsen mischt, die zuschlagen sollen, sowie der Wahnsinnige versucht, die Vorstellung erneut zu sabotieren. Als zusätzliches Ablenkungsmanöver soll zudem nach der Aufführung Claudins selbstkomponiertes Konzert von Maestro Liszt gespielt werden.

Claudin hat jedoch einen Großteil der Operation mitverfolgt und kurzerhand einen der Polizisten ermordet und sich seinerseits in dessen Kostüm unter die Statisten gemischt. Vom allgemeinen hektischen Treiben hinter der Bühne umgeben, klettert Claudin unbemerkt auf den Schnürboden und noch weiter hinauf. Hoch oben über der Kuppeldecke des Zuschauerraums holt er eine Metallsäge hervor und beginnt, die massive Kette des gewaltigen, tonnenschweren Kronleuchters durchzusägen.
Auf dem Höhepunkt einer dramatischen Arie der [fiktiven, Anm.] Oper Le prince masqué du Caucase reißt die Kette schließlich und der massive Lüster stürzt mitten ins Publikum. Mehrere Menschen werden getötet und zahlreiche weitere verletzt.

Das Phantom entführt Christine hinab in die Katakomben.

Während ringsum Panik ausbricht, die Polizei sich zu reorganisieren versucht und Ersthelfer sich bemühen, den Verwundeten zu Hilfe zu eilen, tritt Claudin an die hinter der Bühne wartenden Christine heran, gibt sich ihr gegenüber zunächst als einer von D'Auberts Männern aus und führt sie “in Sicherheit“. Als er sie jedoch zu einer eisenbeschlagenen Tür bringt, die in die Kellergewölbe hinabführt, durchschaut sie ihn, jedoch zu spät.

Das Phantom ist glücklich, seine Musik zu hören.

Mit sanftem Druck und beruhigend auf sie einredend, wie ein liebevoller Vater der zu einem kleinen Kind spricht, führt Claudin sie in die schwarze Finsternis hinab. Mit sicherem Schritt führt er sie über verfallende Treppen, brüchige Stege und um einen längst vergessenen unterirdischen Stausee herum, der ursprünglich angelegt worden war, um einen Seitenlauf der Seine in Schach zu halten, um das Fundament des Opernhauses vor einsickernder Feuchtigkeit zu schützen.

Ende des Phantoms

Das Phantom demaskiert.

In seinem Versteck angekommen, vernehmen sie plötzlich die Klänge seines Klavierkonzertes, die über die kalten Steinwände bis in die Dunkelheit zu ihm hinabgetragen werden. Hingerissen bedeutet er ihr auf einem Stuhl Platz zu nehmen, während er selbst sich an das alte, aber noch immer einwandfrei funktionierende Piano setzt und, in perfektem Gleichklang zu Liszt oben, zu spielen beginnt.

Das Phantom holt zum letzten Schlag aus.

Völlig von seiner Musik ergriffen, ersucht Claudin Christine zu singen. Die junge Frau kann der Melodie mühelos folgen, da sie das Konzert als erweiterte Variation des alten Wiegenliedes erkennt, welches ihr bereits seit frühesten Kindertagen vertraut ist. Neugierig geworden nähert sie sich Claudin, der vor freudigem Glück über seine Musik regelrecht strahlt.
Unvermittelt reißt sie ihm die Maske herunter und enthüllt die aufgeworfene, purpur entzündete Kraterlandschaft, zu der die Säure seine rechte Gesichtshälfte zerfressen hat. Sprachlos vor Entsetzen weicht sie an die Wand zurück, während er sie mit einer sonderbaren Mischung aus Ärger, Trauer und Scham anstarrt.

Das Phantom wird unter herabstürzenden Gesteinsbrocken begraben.

In diesem Augenblick stürmen Anatole Garron und Raoul D'Aubert, die die Verfolgung aufgenommen haben, die Kammer und erstarren ebenfalls ob des grausigen Anblicks des zerstörten Gesichts. Nach einem letzten wehmütigen Blick auf Christine ergreift Claudin ein Rapier und macht sich bereit, auf die Eindringlinge loszugehen.
D'Aubert seinerseits zückt seine Dienstpistole und legt zum tödlichen Schuss an. Garron jedoch fährt dazwischen, da der Knall den gesamten porösen Tunnel zum Einsturz bringen könnte. Dennoch löst sich ein Schuss und prompt beginnt der Alkoven, in dem sie sich befinden, zusammenzubrechen.

Während der Sänger und der Polizeiinspektor im letzten Augenblick mit Christine in ihrer Mitte entkommen können, wird Erique Claudin unter herabregnendem Schutt und massiven Gesteinstrümmern begraben.

Erscheinungsbild & Persönlichkeit

Erique Claudins Säureverbrennnungen - Früher MakeUp-Test, 1943.

Erique Claudin ist ein etwas kleinerer Mann um die Sechzig mit dichtem, ergrautem Haar mit breiten Koteletten, melancholischen Gesichtszügen und schwermütig blickenden braunen Augen.

Während der Opernaufführungen ist er, wie das gesamte Orchester des Hauses, in einen schwarzen Frack mit weißem Hemd und ebensolcher Halsschleife gekleidet. Privat schlüpft er in einen abgetragenen grauen Anzug mit mittlerweile bestoßenem Revers und aufgerauten Ärmeln, dazu ein leicht vergilbtes Hemd, eine hochgeschlossene Weste und eine dunkle Halsbinde.

Infolge des entsetzlichen Missverständnis bei Pleyel et Desjardin wird ihm ein ganzes Wännchen voll Säure zum Bearbeiten von Druckerplatten ins Gesicht geschüttet. Die ätzende Flüssigkeit hat seine rechte Gesichtshälfte in eine aufgeworfene Fläche aus abblätternder gräulicher Haut und purpurn entzündeten Kratern verwandelt. Zudem ist die Muskulatur rund um das rechte Auge in Mitleidenschaft gezogen worden, sodass das Oberlid träge und erschlafft wirkt, während das untere Lid zum Teil weggeätzt wurde und ansatzweise den rot geäderten Augapfel entblößt.

Das Phantom der Oper in vollständigem Kostüm und Maske - Publicityfoto von Claude Rains, 1943.

Nach seiner spektakulären Flucht durch das nächtliche Paris, schlägt er sein Versteck in den Gewölben unter der Oper auf. Seine Entstellung verbirgt er fortan unter einer bläulich-grauen Gesichtsmaske aus dem Opernfundus mit mandelförmigen Augenöffnungen und elegant geschwungenen Brauenlinien.
Zudem hat er sich eines der Kostüme gestohlen – einen eleganten schwarzen Frack mit schwarzer Weste und Halsschleife und dazu einen breitkrempigen schwarzen Hut und ein wallendes, langes Cape mit Stehkragen und leuchtend rotem Seidenfutter.

Ursprünglich war Claudin ein ruhiger und zurückhaltender, beinahe schüchterner älterer Herr, der vor allem für die Musik lebte und die heimliche Hoffnung hegte, Dank seines Konzertes vielleicht doch noch zu Ruhm und Anerkennung zu gelangen. Als er jedoch gezwungen war, seine Partitur aus finanzieller Not einem Verleger zu schicken, von dem er irrtümlich angenommen hat, er wolle ihn um sein Lebenswerk betrügen, brachen all die Schicksalsschläge, die er in den Tagen und Wochen zuvor erdulden musste, mit einem Mal über ihn herein.
Nach einem kompletten Nervenzusammenbruch, verlor er den Verstand, lief Amok und wurde zum gejagten Mörder. Seither ist er ein unberechenbarer Wahnsinniger, der seine Ziele mit rücksichtsloser Konsequenz verfolgt und völlig ohne Reue bereit ist, über Leichen zu gehen, wenn es seinen Plänen dienlich ist.

Wissenswertes

  • Im ursprünglichen Drehbuchentwurf sollte Erique Claudin sich als Vater von Christine Dubois entpuppen, der vor Jahren sie und ihre Mutter verlassen hatte, um eine Karriere als Musiker anzustreben. Nachdem diese finale dramatische Enthüllung jedoch zuletzt gestrichen worden war, gab es schlussendlich keine nähere Erklärung für Claudins an Besessenheit grenzende Fürsorge für die junge Sängerin.
  • Hauptdarsteller Claude Rains nahm die Rolle des Phantoms nur unter der Bedingung an, dass der Charakter keine übertriebenen Verunstaltungen haben würde. Heimkehrende Soldaten des zu jenen Tagen tobenden Zweiten Weltkrieges, die faziale Verwundungen davongetragen hatten, sollten sich nicht vor den Kopf gestoßen oder als Monster verunglimpft fühlen. Dies war ein überaus wichtiges Anliegen für Rains, der selbst ein Veteran des Ersten Weltkrieges war und infolge eines Senfgasangriffes auf dem rechten Auge praktisch blind war.
  • Die Säureverbrennungen wurden von Universals Chefmaskenbildner Jack Pierce (*1889; †1968) kreiert, der im Laufe seiner Karriere mit Frankensteins Monster (1931), der Mumie (1932) und dem Wolfsmensch (1941) bereits einige der berühmtesten und ikonischsten Filmmonster aller Zeiten erschaffen hatte.
  • Der Film hatte ein für damalige Verhältnisse stattliches Budget von einer Million und siebenhundert-fünfzigtausend Dollar. Allein hunderttausend Dollar davon waren aufgewandt worden, um das bombastische, in Originalgröße nachgebaute, Pariser-Opern-Set tonfilmtauglich zu machen. Dieses war ursprünglich für den Phantom der Oper-Stummfilm von 1925 erbaut worden.
  • Nachdem die Geschichte des Phantoms ab der zweiten Hälfte des Films ziemlich in den Hintergrund gerückt wurde, um mehr Platz für musikalische Einlagen, sowie für die romantischen und komödiantischen Einlagen zu schaffen, urteilte der britische Filmkritiker Tony Rayns “Too much opera, not enough Phantom!“ (“Zu viel Oper, zu wenig Phantom!“).
  • Universal plante ob des Erfolges des Films, eine Fortsetzung unter dem Titel The Climax zu drehen, in der Claude Rains erneut als Phantom auftreten sollte. Da man den Tod des Phantoms nicht explizit gezeigt hatte und bei der letzten Kamerafahrt durch sein verschüttetes Versteck sogar das rieseln und poltern von Sand und Steinen vernimmt, als ob sich jemand langsam aus dem Schutt hervorgraben würde, sollte dies als Hintertürchen für ein Überleben des wahnsinnigen Musikers dienen.
    Infolge zahlreicher Skriptüberarbeitungen verlor sich die Idee zu einer direkten Fortsetzung jedoch und Rains kehrte nicht zurück. Stattdessen gab es den, von Horror-Legende Boris Karloff (*1887; †1969) gespielten, hypnotisch begabten Theaterarzt Dr. Friedrich Hohner, der von einer jungen Sängerin namens Angela besessen ist.
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