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“Ihr wißt ja gar nicht, was das ist, eure Zeit! Aber wir, wir wissen es. Und wir saugen euch aus bis auf die Knochen. [...] Ein mühseliges Geschäft, den Menschen ihre Stunden, Minuten und Sekunden abzuzapfen. Immer mehr und immer mehr! Denn auch wir werden mehr! Immer mehr! Immer mehr!”

— Ein Grauer Herr enthüllt versehentlich die wahre Natur seiner Leute

“Wir stehlen uns die Zeit zurück, das wird unser Meisterstück!”

— Der Schlachtruf der Grauen Herren


Die Grauen Herren, auch als Zeitdiebe oder, wie sich selbst nennen, "Agenten der Zeitsparkasse" bekannt, sind die Hauptgegenspieler im deutschen Kinderbuch Momo von Michael Ende. Sie sind parasitäre Wesen mit menschlichem Aussehen, die den Menschen die Zeit stehlen, indem sie sie manipulieren, Zeit zu sparen, da gesparte Zeit die Lebensenergie der Grauen Herren ist.

Biographie

Es ist unbekannt, an welchem Punkt die Grauen Herren angefangen haben, zu existieren. Laut einem von ihnen gibt es sie nur, weil die Menschen es ihnen erlaubt haben. Demnach gibt es sie schon so lange wie die Menschheit. Genauso unklar ist, was genau die Grauen Herren eigentlich sind: laut eigener Aussage sind sie keine Menschen, allerdings scheinen sie auch nicht aus einer anderen Welt zu kommen oder Dämonen zu sein. Im Allgemeinen werden sie schlicht als "Zeitdiebe" bezeichnet.

Sie schaffen es, nach der Reihe die Menschen dazu zu bringen, Zeit zu sparen. Sie besuchen dafür einzeln Leute und stellen sich ihnen als beamten der "Zeitsparkasse" vor. Sie verwickeln die Leute in ein Gespräch, in dem sie sie davon überzeugen, wie wichtig das Zeitsparen ist. Bspw. rechnet einer von ihnen dem Friseur Fußi vor, dass dieser durch all die Zeit, die er täglich vergeudet, eigentlich keine Lebenszeit mehr übrig hätte. Oder sie reden einem Mann ein, er könne, buchstäblich nach dem Motto "Zeit ist Geld" durch Zeitsparen reich werden. Dies alles führt dazu, dass die Menschen immer mehr rationalisieren und sich nicht mehr um Fantasie oder persönliche Freuden kümmern, sondern nur noch darum, möglichst schnell zu arbeiten.

Allerdings gibt es eine Person, bei der ihre Manipulationen nicht wirken: einem kleinem Mädchen namens Momo, deren besondere Fähigkeit quasi das genaue Gegenteil der Grauen Herren ist. Anders als all die gestressten und rational denkenden Menschen, die sich nicht mehr für ihre gegenseitigen Gefühle interessieren, hört sie den menschen zu und kann ihre momentanen Gefühle nachvollziehen und ihnen zureden. Diese Eigenschaft ist für den Plan der Grauen Herren, die alle Menschen zu kaltherzigen, gestressten und nur rational denkenden Leuten machen wollen, äußerst gefährlich. Aus diesem Grund versuchen sie, das Mädchen aus dem Weg zu räumen, versagen aber ständig. Besonders gefährlich wird Momo erst, als einer der Grauen Herren ihr versehentlich die wahre Natur der Grauen Herren als Zeitvampire offenbart, was für seine Leute das Allerschlimmste ist, ist doch Geheimhaltung das Wichtigste bei ihren Aktionen. Der unvorsichtige Agent wird daraufhin von seinen "Kollegen" hingerichtet, indem sie ihm seine Zigarre, die Quelle der Lebenskraft der einzelnen Herren, wegnehmen.

Allerdings bekommt auch Momo Unterstützung: die Schildkröte Cassyopeia, die nur über Worte auf ihrem Rückenpanzer kommuniziert, wird ihr ständiger Begleiter. Am Wichtigsten ist jedoch Professor Hora, der Verwalter der Zeit und Erzfeind der Grauen Herren. Er klärt Momo über die Natur der Zeit auf: Die inviduelle Lebenszeit jeder Person werde durch eine sogenannte Stundenblume repräsentiert. Sie heißt so, weil sie stets nach einer Stunde verblüht. Durch den Stress, den die Grauen Herren verursachen, verwelken die Blumen aber viel früher. Die Grauen Herren sammeln die verdorrten Blumen ein und drehen sich daraus ihre Zigaretten, die sie am Leben erhalten. Durch den Anstieg an verwelkenden Stundeblumen entstehen auch immer mehr Graue Herren. Ihr Ziel ist es, die gesamte Zeit der Menschheit zu besitzen und eine so große Anzahl Grauer Herren zu erschaffen, dass sie die Menschheit ersetzen können. Sie sind auch immer auf der Suche nach Hora's Versteck, dem Nirgendhaus; denn auch wenn Hora nur Verwalter und nicht der Schöpfer der Zeit ist, könnten sie dort die Zeit direkt von der Quelle stehlen und müßten sich nicht länger auf ihre Manipulationen verlassen.

Als Momo später erneut Hora aufsucht, wird sie von den Grauen Herren verfolgt. Hora hat das aber schon vorausgeahnt und erklärt Momo seinen Plan: wenn er einschläft, würde die Zeit stillstehen. Würde Momo es nicht innerhalb einer Stunde schaffen, den Menschen ihre gestohlene Zeit zurückzubringen, würde die Stundenblume, die er ihr gibt, um sich frei zu bewegen, verblühen, und dann könnte niemand mehr die Stundenblumen aus dem Tresor holen und die Zeit weiterlaufen lassen. Als mit Hora's Schlaf die Zeit zum Stillstand kommt, bekommen die Grauen Herren Panik und fliehen in ihr Hauptquartier. Momo folgt ihnen und sieht, wie sie ihre Gruppe dezimieren, indem sie einigen Grauen Herren die Zigarren nehmen, um die übrige Zeit unter sich aufzuteilen. Während die Grauen Herren noch ihre nächsten Schritte überlegen, gelingt es Momo, mithilfe der Stundenblume, die sie von Hora bekommen hat, den Tresor mit den gestohlenen Stundenblumen zu schließen und die Grauen Herren von ihrem Vorrat zu trennen. Diese nehmen nun die Verfolgung des Mädchens auf, um mit der Blume die Tür zu öffnen, wobei sie nacheinander ihre Zigarren verlieren und sich auflösen, bis nur noch ihr Chef übrig ist, welcher schließlich seinen Zigarrenstummel, den letzten Rest seiner Lebenskraft, verliert. Er bittet Momo, ihm die Blume zu geben, doch sie weigert sich, was der Chef mit den Worten, dass es gut sei, dass alles vorbei sei, akzeptiert und stirbt. Danach gelingt es Momo noch rechtzeitig, den Tresor zu öffnen und den Menschen ihre gestohlene Zeit wiederzugeben, wodurch Hora aufwacht und sich die Zeit weiterbewegt.

Fähigkeiten

Unsterblichkeit: Die Grauen Herren sind quasi unsterblich, da sie scheinbar nur sterben können, wenn ihnen ihre Zigarren bzw. die Stundenblumen für ihre Zigarren fehlen, auch wenn unbekannt ist, ob sie bspw. gegen Kugeln immun sind.

Erinnerungen manipulieren: Die Grauen Herren lassen die Leute immer vergessen, dass sie da waren, sodass ihre "Kunden" denken, sie selbst seien auf die Idee mit dem Zeitsparen gekommen. Allerdings merkt man Leuten, die von ihnen besucht wurden, dieses an ihrem gestressten Verhalten an.

Reproduktion: Es wird erwähnt, dass immer mehr Graue Herren entstehen, wenn immer mehr Zeit gespart wird. In einer Episode der TV-Serie Lemmi und die Schmöker, die sich mit dem Buch befasst, wird sogar die Theorie aufgestellt, dass die Grauen Herren sogar dann neu entstehen können, nachdem sie am Ende alle vernichtet wurden.

Galerie

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