“Kirk, mein alter Freund! Kennst du das klingonische Sprichwort, das sagt “Rache ist ein Gericht, das am besten kalt serviert wird?!“ Es ist sehr kalt im Weltraum!”

Khan Noonien Singh (Star Trek II: Der Zorn des Khan, 1982)


“Ich werde ihn jagen um die Monde von Nibia und durch den Antares-Mahlstrom und durch die Flammen der ewigen Verdammnis, bevor ich ihn aufgebe!”

Khan Noonien Singh (Star Trek II: Der Zorn des Khan, 1982)


Khan Noonien Singh ist ein wiederkehrender Schurke im Star Trek-Universum. Erstmals in Erscheinung tritt er als Hauptantagonist in Der schlafende Tiger (Space Seed), der zweiundzwanzigsten Episode der ersten Staffel der klassischen Science-Fiction-Serie Raumschiff Enterprise (Star Trek) von 1967.
Zudem ist er der Titelschurke des Spielfilmes Star Trek II: Der Zorn des Khan (Star Trek II: The Wrath of Khan) von Nicholas Meyer aus dem Jahr 1982.

Der genetisch aufgewertete Übermensch war nach seiner Machtergreifung, nach den Schrecken des Dritten Weltkrieges am Ende des 20. Jahrhunderts, der Herrscher über mehr als ein Viertel der Erde, ehe er auf dem Höhepunkt der Eugenischen Kriege, in dem die Bevölkerung sich gegen die tyrannischen Supermenschen auflehnte, mit seinen Anhängern die Erde verließ. Als er im 23. Jahrhundert aus dem Kälteschlaf erwacht, versucht er das Raumschiff Enterprise in seine Gewalt zu bekommen und dessen Captain James T. Kirk zu töten.

Nachdem dies misslungen ist, wird er mit seinen Leuten auf einem abgelegenen Planeten ausgesetzt, der sich nur wenige Monate später durch eine Naturkatastrophe in eine lebensfeindliche Wüstenwelt verwandelt. Seither brennt sein Geist auf Rache an Captain Kirk, der ihn in sein zweites Exil geschickt hat. Als sich fünfzehn Jahre später die Gelegenheit bietet zu entkommen und ihm der Zufall auch noch eine Waffe mit unvorstellbarem Zerstörungspotential in die Hände spielt, beginnt er eine gnadenlose Hetzjagd auf seinen verhassten Feind, ohne Rücksicht auf Verluste.

Dargestellt wurde der genetisch modifizierte Exdiktator und rachezerfressene Wahnsinnige vom mexikanischen Schauspieler Ricardo Montalbán (*1920; †2009).

In der Serie wurde er von Helmo Kindermann (*1924; †2004) ins Deutsche übertragen und im Film von Heinz Petruo (*1918; †2001) synchronisiert, der deutschen Stimme des finsteren Darth Vader in der klassischen Star Wars Original-Trilogie.

Charakterbiographie

Vorgeschichte

Khan als Großfürst auf der Erde - Artwork von Michael Stribling.

Geboren wurde Khan in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts als Produkt einer Serie eugenischer Experimente mit dem Ziel, in jeder Hinsicht perfekte genetische Übermenschen zu erschaffen. Verantwortlich für diese Versuche war ein Konsortium von skrupellosen Wissenschaftlern, die beabsichtigt hatten, die Weltherrschaft an sich zu reißen und nach ihrem Bild neu zu formen. Khan und die anderen als Augments bezeichneten Supermenschen sollten die größenwahnsinnigen Visionen der Eugeniker als Elitesoldaten Wirklichkeit werden lassen.

Jedoch übersahen die Wissenschaftler in ihrer Hybris, dass Khan nicht die Absicht hatte, sich zu einer Marionette im Gefüge einer neuen Weltordnung degradieren zu lassen. Er und die anderen Übermenschen revoltierten gegen ihre Schöpfer und vernichteten sie. Danach machten sie sich daran, mit Khan an ihrer Spitze, den Planeten für sich selbst zu unterwerfen und in Regionalterritorien aufzuteilen. Spätestens 1993 hatten die Augments schließlich über vierzig Staaten der Erde unter ihre Kontrolle gebracht.

Khan bereitet den Start der SS Botany Bay vor - Artwork von Michael Stribling.

Als Regent des Größten der eroberten Gebiete war Khan zum uneingeschränkten Herrscher über mehr als ein Viertel der Erde geworden und hatte vor Allem die Länder Asiens und des Mittleren Ostens unter seinem Banner vereint. Tyrannisch und unbarmherzig unterdrückte er “sein Volk“ und befand sich zudem in ständigen Auseinandersetzungen mit den anderen Territorialfürsten, die ihre eigenen Reiche auszudehnen versuchten.

Diese ständigen internen Machtkämpfe nutzten die unabhängig gebliebenen Nationen und vereinigten sich, um gegen die genetisch modifizierten Gewaltherrscher vorzugehen, was zum Höhepunkt der Eugenischen Kriege führte, in denen insgesamt mehr als dreißig Millionen Menschen zu Tode gekommen waren.

Khans erstes Exil

Khan an Bord der USS Enterprise.

1996 waren die meisten der Augments gestürzt oder vernichtet- und ihre Reiche aufgelöst worden. Obwohl er seine Herrschaft am längsten von allen verteidigen konnte, geriet auch Khan selbst in immer heftigere Bedrängnis und war zuletzt nicht mehr in der Lage, seine Position noch länger zu halten. Zusammen mit seinen loyalsten vierundachtzig Anhängern, die den Treueeid geleistet hatten, für ihn zu leben und zu sterben, trat er die Flucht an. Gemeinsam rissen sie die Kontrolle über das neuartige Schläfer-Raumschiff SS Botany Bay an sich.

Khan erweckt seine Anhänger aus dem Kälteschlaf.

Unmittelbar vor dem Start gelang es Khan, die meisten Aufzeichnungen über das Schiff und über sein Wirken auf der Erde zu vernichten. Danach begaben er und seine Loyalisten sich in Kältestasis und verließen den Planeten.

Während Khan sich in die Tiefen des Weltalls zurückzog, gerieten die globalen Kampfhandlungen immer mehr außer Kontrolle und mündeten in den Dritten Weltkrieg, bei dem bis zur Mitte des einundzwanzigsten Jahrhunderts weitere dreihundert Millionen Menschen sterben sollten.

Das Erwachen des Tigers

Khan versucht, die Enterprise zu übernehmen.

Fast dreihundert Jahre lang treibt die Botany Bay durch die Dunkelheit des Alls, ehe sie zufällig 2267 von den Sensoren des Föderationsraumschiffes USS Enterprise NCC-1701 erfasst wird. Khan, dessen Hibernationskammer zu versagen droht, wird von einem an Bord gebeamten Außenteam unter der Führung von Captain James T. Kirk, aus dem Kälteschlaf erweckt und zur medizinischen Versorgung auf die Krankenstation der Enterprise gebracht.

Den Umstand, dass er drei Jahrhunderte überdauert hat, tut er mit einem Schulterzucken ab und erkennt recht schnell die Möglichkeiten, die sich ihm und seinen loyalen Übermenschen in dieser neuen Zeit bieten. Zunächst gibt er sich seinen Gastgebern gegenüber als schlichter Ingenieur aus und weicht mit Geschick und Eloquenz den Fragen zu seiner Herkunft und dem Hintergrund seines Schläfer-Schiffes aus.

Khan bekämpft Captain Kirk.

Innerhalb kürzester Zeit hat er sich erholt und die wichtigsten Informationen zur technischen Entwicklung im 23. Jahrhundert studiert. Außerdem entgeht ihm nicht die kaum verhohlene Faszination, die die Bordhistorikerin Lieutenant Marla McGivers für ihn empfindet und beginnt sogleich, sie mit seinem Charme und seiner Ausstrahlung um den Finger zu wickeln.

Bald ist sie ihm mit Leib und Seele verfallen und wird zu seiner willigen Komplizin als er plant, die Kontrolle über die Enterprise an sich zu reißen. Nachdem seine wahre Identität enthüllt wird, kann er die zu seiner Beobachtung abgestellte Wache außer Gefecht setzen und Dank Lieutenant McGivers auf die Botany Bay zurückkehren, wo er sogleich die noch lebenden zweiundsiebzig Augments – bei zwölf haben im Laufe der Jahrhunderte die Hibernationskammern versagt – reaktiviert und mit ihnen einen Angriff auf das Sternenflotten-Schiff startet.

Khan gegen Kirk

Khan und seine Getreuen beginnen ihr Exil auf Ceti-Alpha V - Artwork von Joe Corroney.

Zurück auf der Enterprise bringt Khan den Maschinenraum unter seine Kontrolle und deaktiviert überall im Schiff die Lebenserhaltungssysteme. Nachdem er die, vom Sauerstoffmangel ohnmächtig gewordene, Besatzung festgesetzt hat, fordert er ihre bedingungslose Unterwerfung und droht, ihren Captain in der Unterdruckkammer zu töten, sollten sie ihm nicht den Treueeid schwören.

Vom Unwillen der Führungsoffiziere zunehmend verärgert, kündigt er an, er werde jeden einzelnen von ihnen in die Unterdruckkammer schicken, sollten sie sich weiterhin weigern, klein beizugeben. Währenddessen hat Lieutenant McGivers Captain Kirk befreit, da sie, obgleich sie in Khan verliebt ist, sich nicht an seinen Mordabsichten beteiligen will.

Khan nach fünfzehn Jahren auf Ceti-Alpha V.

Als Kirk das Schiff mit Betäubungsgas flutet und somit sämtliche genetisch modifizierten Übermenschen auf einen Schlag ausschaltet, gelingt es Khan im letzten Moment, sich in den Maschinenraum abzusetzen. Dort manipuliert er die Kontrollen und leitet einen Überdruck im Antriebssystem ein, was zu einem Warpkernbruch und somit zur Zerstörung des gesamten Schiffes führen würde.

In einem großen Showdown liefert sich Khan einen Kampf Mann-gegen-Mann mit Kirk, der verzweifelt versucht, die Vernichtung des Schiffes abzuwenden. Der genetisch modifizierte Übermensch ist seinem Kontrahenten weit überlegen und schleudert ihn wie eine Stoffpuppe durch den Maschinenraum. Gerade als Khan zum letzten Schlag ausholen will, wird er jedoch von Kirk überrumpelt und mit einem Metallrohr niedergeschlagen.

Khans zweites Exil

Khan beginnt die Jagd auf Admiral Kirk.

Nachdem sie die Enterprise wieder unter ihre Kontrolle gebracht- und den Warpkernbruch verhindert haben, eröffnet Kirk ein Militärgericht gegen Khan und seine Augments. Er und seine Anhänger werden ob ihrer Machenschaften zum Exil auf dem abgelegenen, unbewohnten Planeten Ceti-Alpha V verurteilt. Auf der rauen aber dennoch urbaren Welt soll Khan sein restliches natürliches Leben verbringen.

Mit einem Hauch von widerwilligem Respekt und dem Milton-Zitat, wonach es besser sei “in der Hölle zu herrschen, als im Himmel zu dienen“, tritt Khan sein Exil zusammen mit Lieutenant McGivers, für die er inzwischen echte Gefühle entwickelt hat, an. Ausgerüstet nur mit einigen Vorräten und den alten Frachtcontainern der Botany Bay machen sie und die anderen Augments sich daran, diese neue Welt zu unterwerfen.

Khan fordert die Herausgabe des Genesis-Projektils.

Nur sechs Monate später sollte jedoch alles anders werden: Ceti-Alpha VI, der Nachbarplanet war instabil und explodierte schließlich. Durch die freigesetzten galaktischen Kräfte verschob sich die Umlaufbahn von Khans Gefängniswelt und machte daraus einen lebensfeindlichen, von ewigen Stürmen heimgesuchten Wüstenplaneten mit größtenteils giftiger Atmosphäre.

Aller widrigen Umstände zum Trotz gelingt es Khan dank seines überlegenen genetischen Intellektes zu überleben. Die Frachtcontainer als Wohnräume nutzend, hält er einen großen Teil der Gruppe zusammen und am Leben. Jedoch werden zwanzig von ihnen, darunter auch Lieutenant McGivers, Opfer der letzten überlebenden einheimischen Lebensform des Planeten – des aggressiven Ceti-Aals, der ins menschliche Gehirn eindringt, wo er sich um die Großhirnrinde wickelt und Suggestionsbereitschaft, Wahnsinn und schließlich den Tod auslöst.

In den folgenden fünfzehn Jahren hält Khan nur der Gedanke, sich an Kirk für alles Erlittene zu rächen am Leben. Ein Gedanke, der seinen Verstand vergiftet und in die Dunkelheit des Wahnsinns hinabreißt.

Die Rückkehr des Tigers

Khan genießt es, Kirk leiden zu lassen.

2285 schlägt jedoch die Stunde für Khans Auferstehung als das Föderationsschiff USS Reliant das Ceti-Alpha-System aufsucht, um einen geeigneten Testplaneten für das streng geheime Genesis-Projekt zu finden. Ziel dieses Projektes ist die Umwandlung einer Absolut toten Welt in einen lebenden besiedelungstauglichen Planeten mittels eines materieumwandelnden Projektils. Würde der “Genesis-Torpedo“ allerdings in eine lebendige, bewohnte Welt einschlagen, so würde die freigesetzte Kettenreaktion alles Leben vernichten, um “Platz für neues Leben“ zu schaffen.

Als der Captain des Schiffes und sein erster Offizier Pavel Chekov bei ihrem Außeneinsatz zur Erforschung der Umweltbedingungen über Khan und seine Leute stolpern, macht er beide gefügig indem er ihnen Ceti-Aale einsetzt und erfährt so von Genesis. In Khans Augen die perfekte Waffe, um seinen verhassten Feind Kirk, inzwischen zum Admiral befördert, zur Strecke zu bringen.

Khan befiehlt einen letzten Angriff.

Erst einmal an Bord gebracht, übernehmen Khan und seine verbliebenen Leute in kürzester Zeit die Reliant und setzen die Besatzung gnadenlos auf Ceti-Alpha V aus. Danach reisen sie zur Forschungsstation Regula 1, wo am Genesis-Projekt gearbeitet wird. Dort angekommen, setzt Khan alles daran, den Genesis-Torpedo in seinen Besitz zu bringen. Die Forscher der Station jedoch, die der Sternenflotte eher misstrauisch gegenüberstehen, haben das Projektil und sämtliche Aufzeichnungen darüber aus Sicherheitsgründen versteckt. Rasend vor Zorn foltert Khan die Wissenschaftler und schneidet ihnen schließlich die Kehlen durch, nachdem sie sich ihm bis zuletzt widersetzt haben.

Als kurz darauf tatsächlich die Enterprise unter dem Kommando von Admiral Kirk auftaucht, wähnt Khan sich schon beinahe am Ziel seiner Vergeltungswünsche. Durch geschicktes Taktieren kann er sowohl die Unterlagen als auch das Genesis-Geschoss selbst in seinen Besitz bringen, sowie auch das Föderationsschiff schwer beschädigen.

Hass bis in den Tod

Khan ist noch im Sterben von Rachegelüsten erfüllt.

Um seinen Triumph bis zuletzt auszukosten, zeigt er sich dem völlig verblüfften Admiral Kirk via Bildschirmübertragung. Dabei unterschätzt er aber einmal mehr die Findigkeit des Sternenflotten-Offiziers. Dieser deaktiviert Khans Schutzschilde mit den Sicherheitscodes für die Reliant und feuert eine Breitseite auf ihn ab. Nach einem kurzfristigen Rückzug, verfolgt er Kirk, trotz der Warnungen seiner Leute, bis in den interstellaren Mutara-Nebel.

Mit, wegen der beständigen statischen Entladungen innerhalb des Nebels, nutzlosen Sensoren und Schilden, tastet Khan sich blind durch den Schleier aus ionisiertem Gas, um seinem verhassten Feind endlich den Todesstoß zu verpassen. Trotz seiner überlegenen Intelligenz begeht Khan aber einen folgenschweren taktischen Fehler. Mangels Erfahrung in Sachen Weltraum, folgen seine Manöver einem zweidimensionalen Denkmuster. Zu spät bemerkt er die Enterprise, die, wie ein U-Boot im Ozean, aus einer tieferen Region des Nebels emporsteigt und das Feuer eröffnet.

Khan aktiviert vor seinem Tod den Genesis-Torpedo.

Nach einer Reihe schwerer Explosionen an Bord der Reliant sind sämtliche Anhänger Khans umgekommen und er selbst, mittlerweile von einer Konsole, die vor seinem Gesicht explodiert ist, schwer verwundet und kaum noch am Leben. Mit buchstäblich allerletzter Kraft schleppt er sich kriechend zur Kontrolleinheit des Genesis-Projektils und setzt die Kettenreaktion in Gang.

In der Gewissheit, dass Admiral Kirk und die schwer angeschlagene Enterprise der Wirkung des Genesis-Effektes nicht entkommen können, haucht Khan sein Leben aus mit den Worten: »Der Hass siegt jetzt… Ich speie meinen letzten Atem auf dich, Kirk!«

Erscheinungsbild

Khan auf dem Höhepunkt seiner Macht - Publicityfoto von 1967.

Bei seiner ersten Begegnung mit der Enterprise ist Khan Noonien Singh ein großer, charismatischer Mann in seinen Vierzigern mit halblangem schwarzem Haar und stechenden dunkelbraunen Augen. Mit seinem athletischen Körperbau und seiner aufrechten, stets würdevollen Haltung strahlt er in jedem Moment elegante Überlegenheit aus.

Als er wieder auf der Bildfläche erscheint, ist nicht mehr viel von seinem einstigen Glanz geblieben. Zwar strahlt er noch immer unbändige Kraft und Herrschaftlichkeit aus, doch hat das harte Leben auf Ceti-Alpha V sein ehemals gutes Aussehen verwüstet und tiefe Gram- und Sorgenfalten in sein Gesicht gemeißelt. Sein ehemals glänzendes, dunkles Haar ist fast vollständig ergraut und in seinen eingesunkenen Augen liegt nun ein gefährliches Funkeln von lauerndem Wahnsinn.

Meist trägt er einen roten Overall mit Stehkragen und goldenen Applikationen, sowie goldenen Manschettenknöpfen und einem schwarzen Gürtel, der ebenfalls mit Goldelementen verziert ist. Zu festlichen Anlässen schlüpft er in einen traditionellen indischen Sherwani-Anzug aus aufwendig gewebtem goldfarbenem Stoff, dessen Kragen und Front mit einer reich bestickten Goldborte geschmückt ist.

Nach den unwirtlichen Jahren auf Ceti-Alpha V ist von seiner einstmals herrschaftlichen Garderobe nicht mehr als geblieben zerrissene Lumpen. So ist er bei seiner Rückkehr in ein zerschlissenes ockerbraunes Hemd gekleidet, das größtenteils nur noch aus Löchern besteht und notdürftig von Drähten und Kabeln zusammengehalten wird. Dazu trägt er braune Hosen und kniehohe, mit Fetzen umwickelte Stiefel. Seine rechte Hand steckt stets in einem schwarzen Lederhandschuh mit metallenen Applikationen auf dem Handrücken.

Persönlichkeit

Khan, gezeichnet von seinem Exil - Publicityfoto von 1982.

Khan wurde dazu erschaffen um in absolut jeder Beziehung überlegen zu sein und ist sich dessen mit jeder Faser seines Seins bewusst. Die Herrschaft ist in seiner Vorstellung kein Recht oder Privileg, sondern schlicht und einfach seine ihm, wegen seiner geistigen und körperlichen Überlegenheit gegenüber “normalsterblichen“ Menschen, zustehende Position innerhalb der natürlichen Ordnung.
Seine Eitelkeit ist dabei keinesfalls reine Hybris, zumal seine Taten seine Fähigkeiten belegen. Mit seinem genetischen Intellekt und seinem taktischen Geschick hatte er es in relativ kurzer Zeit geschafft, einen Großteil der Welt unter seine Herrschaft zu zwingen und dabei trotz aller Skrupellosigkeit auch noch eine, historisch gesehen, für einen Tyrannen positive geschichtliche Bewertung erfahren zu haben.

Nichtsdestotrotz stellt er eine gefährliche Arroganz zur Schau, die sich bereits in unmittelbarer Nähe zum Narzissmus befindet. Andere Autoritätspersonen neben sich duldet er keinesfalls, weswegen er auch Captain Kirk als befehlshabenden Offizier des Raumschiffes Enterprise gegenüber die Muskeln spielen lässt, um ihn an seinen “angestammten Platz“ zu seinen, Khans, Füßen aufmerksam zu machen.
Dennoch beeindruckt ihn der beständige Widerstand des Captains und seiner Mannschaft, sich ihm zu unterwerfen, in gewisser Weise. Als er das Urteil Kirks, die Verbannung auf Ceti-Alpha V akzeptiert, scheiden die beiden Kontrahenten sogar in einem gewissen gegenseitigen Respekt.
Dies ändert sich jedoch grundlegend in den folgenden Jahren, insbesondere nach der Katastrophe, die aus dem einstmals blühenden Planeten eine endlose Wüste macht und sowohl seine geliebte Frau als auch etliche seiner Leute das Leben kostet. Die endlosen Strapazen und der beständige Druck, die stark dezimierte Gemeinschaft zusammen zu halten, in Kombination mit dem immer heller lodernden Wunsch nach Rache an Kirk, der ihr aller Unglück zu verschulden hat, kosten ihn schlussendlich den Verstand.

So versteigt er sich immer mehr in der fixen Idee, dass er Kirk um jeden Preis, selbst wenn es seinen Tod und den all seiner Anhänger bedeutet, zur Strecke bringen muss – wie Captain Ahab, der in Melvilles Moby Dick dem weißen Wal bar jeder Vernunft bis in den eigenen Untergang nachjagt.

Auftritte

Film & Fernsehen

  • 1967: Raumschiff Enterprise (Star Trek) – Der schlafende Tiger (Space Seed) – Zweiundzwanzigste Episode der ersten Staffel der Original-Serie; gedreht von Marc Daniels nach dem Drehbuch von Gene L. Coon & Carey Wilber.
  • 1982: Star Trek II: Der Zorn des Khan (Star Trek II: The Wrath of Khan) – Zweiter Teil der klassischen Star Trek- Reihe; gedreht von Nicholas Meyer nach dem Drehbuch von Jack B. Sowards.

Literatur

The Eugenic Wars – The Rise and Fall of Khan Noonien Singh - Buchcover der amerikanischen Originalausgabe von Greg Cox’ Roman-Zweiteiler.

  • 1968: Enterprise 2 (Star Trek 2) – Kurzgeschichtensammlung basierend auf ausgewählten Episoden der Originalserie, geschrieben von James Blish, basierend auf den Drehbüchern der Serie. Herausgegeben wurde der Kurzgeschichtenband von Bantam Books, New York City. Eine deutsche Übersetzung von Hans Maeter erschien erstmals 1972 im Williams Verlag, Alsdorf. 1986 wurde das Buch unter dem Titel Die Original-Abenteuer von Raumschiff Enterprise 2 – Strafplanet Tantalus im Goldmann Verlag, Leipzig, neu aufgelegt.
    Die in diesem Band enthaltene Kurzgeschichte Samen des Raums (Space Seed) markiert Khans ersten literarischen Auftritt. In dieser Story lautete Khans voller Name noch Sibahl Khan Noonien. Ob dies der künstlerischen Freiheit des Autors geschuldet ist, oder ob er nach einem frühen Drehbuchentwurf gearbeitet hat, ist nicht überliefert.
  • 1982: Star Trek II: Der Zorn des Khan (Star Trek II: The Wrath of Khan) – Der Roman zum Film, geschrieben von Vonda N. McIntyre, basierend auf dem Drehbuch von Jack B. Sowards; 1981 herausgegeben von Pocket Books/Simon & Schuster, New York City. Die deutsche Übersetzung von Hans Maeter erschien 1982 im Wilhelm Heyne Verlag, München.
  • 2001: Die Eugenischen Kriege - Der Aufstieg und Fall des Khan Noonien Singh, Band 1 (Star Trek: The Eugenic Wars – The Rise and Fall of Khan Noonien Singh – Volume One) – Geschrieben von Greg Cox, veröffentlicht von Pocket Books/Simon & Schuster, New York City. Die deutsche Übersetzung von Stephanie Pannen und Susanne Picard erschien erstmals 2015 bei Cross Cult, Ludwigsburg.
    Der erste Band berichtet von der Herkunft und den Jugendtagen Khans, bis hin zu den genetischen Experimenten, die aus ihm einen Supersoldaten im Dienste einer Gruppe skrupelloser Wissenschaftler mit Weltherrschaftsambitionen machen sollte.

To Reign in Hell – The Exile of Khan Noonien Singh - Buchcover der amerikanischen Originalausgabe von Greg Cox’ Roman.

  • 2002: Die Eugenischen Kriege - Der Aufstieg und Fall des Khan Noonien Singh, Band 2 (Star Trek: The Eugenic Wars – The Rise and Fall of Khan Noonien Singh – Volume Two) – Geschrieben von Greg Cox, publiziert von Pocket Books/Simon & Schuster, New York City. Die deutsche Übersetzung von Stephanie Pannen und Susanne Picard erschien erstmals 2015 bei Cross Cult, Ludwigsburg.
    Im zweiten Band erfährt man von den Tagen seiner Herrschaft und dem Konkurrenzkampf mit den anderen genetisch modifizierten Übermenschen, die die Herrschaft über die Welt unter sich aufgeteilt hatten bis hin zum Ausbruch der Eugenischen Kriege und der Flucht Khans und seiner treuesten Anhänger von der Erde.
  • 2005: To Reign in Hell - The Exile of Khan Noonien Singh – Geschrieben von Greg Cox, herausgegeben von Pocket Books/Simon & Schuster, New York City. Eine deutschsprachige Ausgabe wurde bislang (Stand Januar 2021) nicht veröffentlicht.
    Im abschließenden Band seiner Trilogie behandelt Greg Cox die entbehrungsreichen Jahre Khans während seines zweiten Exils auf Ceti-Alpha V, vom verzweifelten Kampf ums blanke Überleben bis hin zu seinem immer größer werdenden Wunsch nach Rache, der ihn allmählich in den Wahnsinn abdriften lässt.
  • 2009: Star Trek II: Der Zorn des Khan (Star Trek II: The Wrath of Khan) – Der Comic zum Film, geschrieben von Andy Schmidt und gezeichnet von Chee Yang On, basierend auf dem Drehbuch von Jack B. Sowards; als dreiteilige Miniserie herausgegeben von IDW Publishing, San Diego.
    Eine Comicbuchadaption des Filmes kam erst nach siebenundzwanzig Jahren zustande, da seinerzeit die bei Marvel liegende Lizenz noch vor Produktionsbeginn ausgelaufen war und DC damals nicht interessiert war, die Rechte zu übernehmen.
  • 2010/11: Star Trek: Khan – Ruling in Hell – Vierteilige Comic-Serie; geschrieben von Scott & David Tipton und gezeichnet von Fabio Mantovani. Die Cover-Artworks stammen von Michael Stribling und Joe Corroney. Veröffentlicht wurde die Comic-Miniserie, die ebenso wie der Roman To Reign in Hell von Khans Exil und Überlebenskampf auf Ceti-Alpha V handelt, zwischen Oktober 2010 und Januar 2011 von IDW Publishing, San Diego.

Zitate

“Wir wollten diese kranke Welt heilen!”

Khan rechtfertigt seine Diktatur


“Sie dringen in das Ohr ein und wickeln sich dann um die Außenrinde des Großhirns. Dadurch werden die Opfer sehr leicht empfänglich für Suggestionen. Und wenn sie größer werden, folgt zuerst der Wahnsinn – dann der Tod!”

Khan beschreibt die Ceti-Aale


“Ich werde dich so zurück lassen, wie du mich! Für alle Ewigkeit ausgesetzt auf einem nackten, toten Planeten! Begraben… Lebendig begraben!”

Khan verhöhnt Admiral Kirk


“Der Hass siegt jetzt… Ich speie meinen letzten Atem auf dich, Kirk!”

Khans letzte Worte


Hinter den Kulissen: Erschaffung eines Tyrannen

Die Figur des Khan Noonien Singh gilt allgemein als Schöpfung des Produzenten und Drehbuchautoren Gene L. Coon, der insgesamt großen Einfluss auf die Entwicklung des Star Trek-Universums hatte wie beispielsweise die Oberste Direktive der Nichteinmischung in die Entwicklung fremder Kulturen oder das kriegerische Volk der Klingonen.

Coon schuf Khan aus der frühen “Embrionalform“ der Figur, die Drehbuchautor Carey Wilber in einem ersten Handlungs-Exposé zur Raumschiff Enterprise-Episode Der schlafende Tiger entwickelt hatte. Darin war der Schurke noch ein nordischer Übermensch namens Harold Ericsson.

Dieser wurde in den weiteren Überarbeitungen der Story zu einem Charakter, der sich bei seinem ersten Auftritt als John Ericsson vorstellt, bei dem es sich aber eigentlich um einen Tyrannen und Kriegsverbrecher aus der Vergangenheit namens Ragnar Thorwald handeln sollte.
Jener Ragnar Thorwald sollte in einigen Belangen noch deutlich brutaler agieren als Khan. Beispielsweise hätte er die Wache vor seinem Quartier nicht einfach k.o.-geschlagen, sondern mit einem Phaser getötet.

Während Gene L. Coon anhand dieses Story-Konzeptes das Skript zur Episode verfasste und überarbeitete, wich das Bild des quasi nordischen Superschurken nach und nach einem exotischeren und raffinierteren Charakter, aus dem schließlich Khan entstand.
Auch erhielt der Charakter neben seiner übermenschlichen Körperkraft und Ausdauer von Gene L. Coon auch einige zusätzliche Finessen wie Charme und Charisma, was letztendlich zu einem umso gefährlicheren, verführerischen Gegenspieler führte.

Anmerkung: Der Deckname Khans in der “Alternativen Zeitlinie“ sollte eigentlich John Ericsson lauten, wurde aber in der Postproduktion nachträglich in Harrison geändert.

Khan in der “Alternativen Zeitlinie“

In der 2009 begonnenen Star Trek-Reboot-Filmreihe, wurde wegen eines Eingriffes in die Vergangenheit eine alternative Zeitlinie geschaffen, die eine völlig neue Geschichte, gänzlich unabhängig vom bisher etablierten Hauptkanon, geschaffen hat.

Hierfür wurde auch die Figur des Khan grundlegenden charakterlichen und vor Allem äußerlichen Veränderungen unterzogen – Siehe auch Hauptartikel:

Wissenswertes

  • Khan-Darsteller Ricardo Montalbán war seinerzeit sehr angetan von der Rolle und erklärte, es sei eine wundervolle, gut geschriebene Rolle mit einem interessanten Konzept und, dass es eine Freude für ihn war, die Rolle angeboten zu bekommen.
    (Wonderful […] It was well-written, it had an interesting concept and I was delighted it was offered to me.)
  • Casting-Chef Joseph D’Agosto hatte von Anfang an Richardo Montalbán im Sinn für die Rolle des Khan und war sehr erfreut, dass dieser Interessen an dem Part hatte und das Angebot ihn zu spielen annahm.
  • Die Figur des Khan hält den ungebrochenen Rekord für die meisten Kostüme eines Gastcharakters in der gesamten Raumschiff Enterprise-Serie. Insgesamt trägt Khan fünf verschiedene Outfits:
    • Das sehr durchsichtige, grobmaschige goldene Netz während seines Kälteschlafes,
    • Einen ärmellosen blauen Jumpsuit in der Krankenstation an Bord der Enterprise,
    • Einen Sherwani-Anzug aus verziertem goldfarbenem Stoff zum Dinner in der Offiziersmesse,
    • Eine rote Sternenflotten-Uniform ohne formelle Rangabzeichen nachdem seine Identität enthüllt wurde und
    • Einen roten Overall mit goldverziertem Stehkragen als er seine Anhänger aus der Kryostase erweckt.
  • In der deutschen Synchronfassung von Der schlafende Tiger wurden sämtliche historischen Begebenheiten Khan und seine Herrschaft, sowie seine Flucht mit der Botany Bay betreffend, um hundert Jahre verschoben und somit ins 21. Jahrhundert verlegt.
  • Nach Star Trek II-Regisseur Nicholas Meyer ist eine der am häufigsten gestellten Fragen zum Film, ob Khan Noonien Singhs beeindruckend trainierte Brust echt war oder aber ein äußerst realistischer Makeup-Effekt, insbesondere da Khan-Darsteller Ricardo Montalbán zum Zeitpunkt der Produktion immerhin bereits zweiundsechzig Jahre alt war.
    Meyer beteuert, dass die stramme Brust echt war und witzelt ob der Häufigkeit mit der die Frage immer und immer wieder gestellt wird, dass man den Film besser “Star Trek II: Die Brust des Khan“ (“Star Trek II: The Chest of Khan“) hätte nennen sollen.
  • Laut eigener Aussage hatte Ricardo Montalbán bei Star Trek II immense Anfangsschwierigkeiten, in die Rolle des Khan zurückzufinden. Nachdem er über fünf Jahre lang die Rolle des Mr. Rourke in der Mystery-Serie Fantasy Island verkörpert hatte, gelang es ihm zunächst nicht, sich von dieser Darstellung zu lösen. Erst nachdem er sich seine alte Raumschiff Enterprise-Episode mehrfach angesehen hatte, fand er allmählich wieder zur Essenz dieser Figur zurück.
  • Mehrere Textpassagen, darunter auch die letzten Worte, die Khan spricht, ehe er das Genesis-Projektil aktiviert, sind praktisch 1:1 dem rachegetriebenen Captain Ahab im Roman Moby Dick von Herman Melville entlehnt.
  • Der Kostümbildner Robert Fletcher entwarf Khans Kostüm für Star Trek II unter dem Gesichtspunkt, dass er und seine Leute auf einer Welt ohne jede Infrastruktur gestrandet waren und, dass sie alles, was sie benutzten oder am Leibe trugen, aus den Eingeweiden ihres Schiffes, wie beispielsweise Möbelbezügen oder Drahtgeflecht aus der Bordelektronik, herstellen mussten.
  • Gemäß eines frühen Drehbuchentwurfes sollten Khan und Admiral Kirk im Finale in einem großen Schwertkampf gegeneinander antreten. Letztendlich kam es infolge der Überarbeitungen des Skriptes zum bekannten Finale, sodass die Darsteller Ricardo Montalbán und William Shatner einander letztendlich während der Dreharbeiten nicht ein einziges Mal persönlich begegneten.
  • In einem frühen Drehbuchentwurf mit dem Titel The War of the Generations, geschrieben vom Produzenten Harve Bennett, sollte Khan zusammen mit Kirks Sohn eine Revolte auf einem fernen Planeten anzetteln, mit dem Hintergedanken dort die Macht an sich zu reißen. Nachdem der junge Mann jedoch hinter die wahren Absichten des genetisch modifizierten Tyrannen kommt, verbündet er sich mit seinem Vater gegen Khan.
  • Wegen des engen Drehplanes und des knappen Budgets verzichtete Maskenbildner Werner Keppler darauf, für Khans Finale Szene ein aufwendiges Verbrennungsmakeup mithilfe einer Schaumlatex-Maske zu entwerfen. Stattdessen trug er auf Montalbáns Gesicht eingefärbte Gelatine auf, die in Kombination mit der passenden Beleuchtung eine erstaunlich realistische Wirkung erzielt hatte.

Galerie

Der schlafende Tiger

Der Zorn des Khan

Nutzung von Community-Inhalten gemäß CC-BY-SA, sofern nicht anders angegeben.