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Leland Gaunt ist der Hauptantagonist des Romans “In einer kleinen Stadt“ (“Needful Things“) von Stephen King aus dem Jahr 1991 und der gleichnamigen Verfilmung aus dem Jahr 1993.
Gespielt wurde er vom schwedischen Charakterdarsteller Max von Sydow (*1929), der im “inoffiziellen“ James Bond-Film “Sag niemals nie“ von 1983 bereits die Rolle von 007-Nemesis Ernst Stavro Blofeld verkörperte.

In der deutschen Übersetzung wurde er von Jürgen Thormann (*1928) synchronisiert.


Biographie

Vorgeschichte

Die Vergangenheit Leland Gaunts liegt größtenteils im Dunkeln verborgen. Er scheint jedenfalls bereits sehr alt zu sein und wanderte schon vor Jahrtausenden zu Fuß mit einem kleinen Bauchladen durch die Welt. Später, als Mitte des 14. Jahrhunderts die Pest in Europa wütete, zog er mit einem Karren durch die Lande und bot seine Waren feil, stets noch mehr Leid und Elend hinter sich zurücklassend. Im Laufe der Jahrhunderte eröffnete er Geschäfte im Libanon, in Ankara und zog wohl über Kanada weiter in die USA.


Needful Things

In der Kleinstadt Castle Rock eröffnet er seinen neuesten Laden namens “Needful Things“ (“Nützliche Dinge“), in dem jeder Bewohner, der einen Fuß über die Schwelle setzt, einen Gegenstand findet, den er aus tiefster Seele heraus begehrt.
Gaunts Preise sind erstaunlich gering für Kostbarkeiten wie beispielsweise ein kleines Stück Holz, das von der Arche Noah stammt, oder eine Sonnenbrille, die einst Elvis Presley persönlich gehörte. Doch das Geld ist nur eine Nebensächlichkeit, denn zum Kaufpreis gehört zusätzlich auch eine Gefälligkeit, nämlich ein gemeiner Streich den der jeweilige Kunde einem bestimmten anderen Mitbürger spielen muss.

Diese kleinen Bosheiten beginnen mit dem Aufschlitzen von Autoreifen, dem Beschmieren von frisch gewaschener Wäsche mit Dreck und sind so aufgebaut, dass der oder die Betroffene zwangsläufig jemand anderen der Tat verdächtigt, was für immer mehr Spannungen in der Gemeinde sorgt.
Die Gegenstände, die er verkauft, erscheinen ihren Besitzern überirdisch schön und mit besonderen Kräfte ausgestattet. Für andere aber sind sie nur glanzloser Müll wie die biblische Reliquie, die eigentlich nur ein schwammiger, verfaulter Holzspan ist – ober Elvis’ Sonnenbrille, die ihrer Trägerin das Erleben erotischer Begegnungen mit ‘dem King‘ ermöglicht, bei der es sich aber eigentlich nur um ein altes, verbogenes Gestell mit gesprungenen Gläsern handelt. In jedem Fall aber, lösen sie in den Menschen Besitzgier, Verlustangst und Misstrauen aus.

Gaunts Intrigen gehen auf und tragen bald bittere Früchte: Ein kleiner Junge begeht Selbstmord und zwei Frauen bringen sich auf offener Straße mit Küchenmesser und Fleischerbeil buchstäblich gegenseitig um – und dies ist nur der Auftakt zu einer ganzen Reihe von gewalttätigen Ausschreitungen unter den Bewohnern von Castle Rock. Sogar die Geistlichen der örtlichen Glaubensgemeinden, der Priester der Katholiken und der Reverend der Baptisten gehen aufeinander los.
Der Einzige, der sich Gaunts Machenschaften widersetzt, ist Alan Pangborn, der örtliche Sheriff, der sich verzweifelt bemüht, das um sich greifende Chaos in den Griff zu bekommen, doch der teuflische Kaufmann ist noch längst nicht fertig mit der Stadt.

Inzwischen ist er dazu übergegangen, automatische Schnellfeuergewehre an die Bürger zu verkaufen, damit sie “ihren erworbenen Besitz besser verteidigen können“. Diese ungewöhnlich aussehenden Waffen haben ein Kaliber, das es sonst nirgendwo auf der (unserer) Welt zu geben scheint und die Munition ist mit einem Gift versetzt, dass auch “harmlose“ Streifschüsse unausweichlich zu einem qualvollen Tod führen.


Finale (Roman)

Gerade als das Gemetzel seinem Höhepunkt zueilt und bereits mehrere Gebäude der Stadt in die Luft gesprengt wurden, schließt Gaunt sein Geschäft und macht sich daran, mit einer prall gefüllten Ledertasche, aus deren Innerem die verzweifelten Schreie der geraubten Seelen der Stadtbewohner dringen, abzureisen.
Pangborn stellt ihn und bringt ihn schließlich dazu, seine wahre Gestalt zu offenbaren: ein missgestaltetes Ungeheuer mit Reißzähnen, Klauen und peitschendem Schweif. Die Kreatur lässt die Seelen gezwungenermaßen zurück und verschwindet mit seinem Auto (einem Tucker Talisman mit drei Frontscheinwerfern), das sich als dämonische Kutsche, gezogen von pferdeähnlichen Bestien, entpuppt.
Beim hinabrasen der Hauptstraße, wird der Asphalt zu brennender Schlacke und das Höllenfahrzeug selbst verschwindet in einem gewaltigen feurigen Abgrund, der sich auftut und noch weiteren Schaden in der fast völlig verwüsteten Stadt verursacht.

Kurze Zeit später eröffnet im US-Bundesstaat Iowa in der Stadt Junction City ein freundlicher älterer Herr einen neuen Laden mit dem verheißungsvollen Namen “Answered Prayers“ (“Erhörte Gebete“).


Finale (Film)

Nachdem mehrere Häuser, darunter auch jenes mit “Needful Things“, in die Luft geflogen sind, verabschiedet sich Gaunt (der bis zuletzt sein menschliches Aussehen beibehält) von Pangborn mit der Prophezeiung, dass er im Jahr 2052 mit dessen Enkel zusammentreffen wird- und, dass sie “für Schlagzeilen sorgen werden“.
Danach steigt er in sein Fahrzeug (hier ein schwarzer Mercedes-Oldtimer) und fährt von davon. Beim Überqueren der Stadtgrenze löst sich der Wagen in Luft auf.


Erscheinungsbild

Romanvorlage

Stephen King beschreibt ihn als sehr großgewachsen und überdurchschnittlich hager (engl.: ‘gaunt‘). Er scheint sehr alt zu sein, mit gütigen Gesichtszügen und großen, schiefen gelben Zähnen. Seine Augenfarbe scheint für jeden, mit ihm interagierenden Menschen anders zu sein (Blau für Lenore Potter und für Hugh Priest sind seine Augen sogar schwarz). Deputy Norris Ridgewick nimmt in seiner Gegenwart stets einen leichten Geruch von Tabak, Kaffee und Eau de Toilette wahr, was ihn stark an seinen verstorbenen Großvater erinnert.
Seine Handflächen weisen keine Linien auf und Zeige- und Mittelfinger sind gleich lang. Außerdem ist es für andere äußerst unangenehm, ihm die Hand zu schütteln, da seine Berührung sich “zu glatt und zu hart“ anfühlt.
Hinter der Fassade des großgewachsenen Leland Gaunt verbirgt sich eine hässliche, krummgewachsene, bucklige Kreatur mit gelben Augen, langen Klauen und Schweif.


Filmadaption

In der Verfilmung ist er ein großer, schlanker Mann um die sechzig mit graumeliertem Haar und Oberlippenbart. Wenn er für sich ist oder allein mit einer Person, die er manipuliert, brechen Anzeichen seines wahren Ichs in Form von großen gelben Zähnen und langen verhornten Fingernägeln durch.
Er trägt meist einen dunklen Anzug mit Krawatte, darüber gelegentlich einen schwarzen Hut und ebensolchen Trenchcoat und ist ein stets kultiviert auftretender Manipulator, der es mit schelmisch funkelnden Augen und zynischem Humor genießt, Menschen gegeneinander auszuspielen.


Sonstiges

  • Während Gaunt im Film fast durchgehend ein zuvorkommendes Wesen hat, variiert im Roman sein Benehmen je nach Kunden. Zwar ist er meist freundlich doch Hugh Priest gegenüber hat er Beispielsweise einen Ton wie ein Gangsterboss, der seinem Schläger Anweisungen erteilt und bei Myra Evans legt er ein dominantes, obszönes Verhalten an den Tag und verlangt Oralverkehr als Entlohnung für die Elvis-Sonnenbrille, ehe er sie voll Verachtung abweist und ihr stattdessen befiehlt, jemandem einen Streich zu spielen.
  • An der Wand der Garage, in der Leland Gaunts markanter Tucker Talisman abgestellt ist, befindet sich ein Graffiti mit den Worten “Yog-Sothoth herrscht!“ (“Yog-Sothoth rules!“), was einen direkten Verweis auf die Mythologie der ‘Großen Alten‘ des US-amerikanischen Autors H. P. Lovecraft (*1890, †1937) darstellt.
  • Es gibt in literarischen- und auch in Fan-Kreisen die Vermutung, dass Leland Gaunt eine Inkarnation des Nyarlathotep, eines dämonischen Götterwesens aus dem Lovecraft-Kosmos, sein könnte, der auch bekannt ist als “Herr des schleichenden Chaos“.
  • Max von Sydow, der Gaunt im Film darstellte, spielte 1965 in “Die größte Geschichte aller Zeiten“ die Rolle des Jesus Christus, während Regisseur Fraser C. Heston 1956 im monumentalen Bibelfilm “Die zehn Gebote“ als einjähriges Kleinkind den jungen Moses in seinem Bastkörbchen verkörperte.
    Aufgrund dieser Konstellation gab es am Set den Running-Gag:
    Das sieht man nicht alle Tage – Moses sagt Jesus, wie er den Teufel spielen soll!
  • Neben Leland Gaunt gibt es im Kosmos von Stephen Kings Werk noch zumindest zwei weitere Personifikationen des Teufels:
    • Der Mann im schwarzen Anzug‘ aus der gleichnamigen Kurzgeschichte (engl.: “The Man in the Black Suit“), enthalten in der Kurzgeschichtensammlung “Im Kabinett des Todes“ (engl.: “Everything’s Eventual“) von 1994.
      Hier ist er ein unheimlicher Mann mit flammenden Augen, der einen ganzen Fisch verschlingen kann, indem er seinen Mund unnatürlich weit aufreißt und einen kleinen Jungen in der Absicht verfolgt, auch ihn aufzufressen.
    • George Elvid aus der Erzählung “Faire Verlängerung“ (engl.: “Fair Extension“) aus der Novellensammlung “Zwischen Nacht und Dunkel“ (engl.: “Full Dark, No Stars“) von 2010.
      Diese Inkarnation des Leibhaftigen ist ein stämmiger Mann mit vollem Gesicht und einem breiten Grinsen. Im Zuge eines ‘Verkaufsgespräches‘ aber fällt seinem Gegenüber auf, dass sein Gesicht schmäler zu werden scheint, genauso wie seine Finger länger werden.
      Bei einem Heiterkeitsausbruch fließen blutige Tränen aus seinen Augenwinkeln und seine Zähne erscheinen unnatürlich lang und spitz, während Regentropfen auf seiner Haut zischend verdampfen. Auch sein Schatten ist unnatürlich lang und schmal, sehr Ähnlich der Silhouette Leland Gaunts.
      Der Name ‘Elvid’ ist ein Anagramm für ‘Devil‘ (dt.: ‘Teufel‘).

Zitate

  • GAUNT zu Brian: »Du spielst jemandem einen kleinen Streich – nichts Besonderes! Und niemand wird erfahren, dass du es warst – das verspreche ich!«

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  • GAUNT: »Mord ist etwas grauenvolles!«
    NETTIE: »Nein – ich hatte nicht die Absicht…«
    GAUNT: »Selbstverständlich nicht! Es waren nicht Sie, die die Fleischgabel vom Wandhaken geholt und sie Mr. Cobb in den Halswirbel gestoßen hat!«

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  • GAUNT zu Reverend Rose: »Ich bin hier, um – genau wie Sie – jedem zu dienen, der sich an mich wendet!«

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  • GAUNT: »Wenn es Ihnen hier zu heiß ist, Mr. Jewett, dann sagen Sie es mir – ich fürchte, ich habe eine Vorliebe für hohe Temperaturen!«

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  • GAUNT zu Pangborn: »Hier eine Seuche, da eine Flut, ein kleines Blutbad, ein gebrochenes Herz… Sie können nicht gewinnen – ich habe Gott auf meiner Seite!«

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  • HUGH: »Jesus!«
    GAUNT: »Der junge Zimmermann aus Nazareth?! Ich kannte ihn ziemlich gut! Ein begabter, vielversprechender junger Mann, der auf grausame Art gestorben ist!«

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  • GAUNT am Telefon: »Ich bin’s, Dan – die Stimme Ihres Herrn! Na, wie geht’s?«
    KEATON: »Ich habe meine Frau ermordet! Ist das falsch?!«
    GAUNT: »Hey, solche Dinge kommen vor!«

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  • KEATON: »Heilige Maria, Mutter Gottes, bete für uns jetzt und in der Stunde unseres Todes, Amen!«
    GAUNT: »Ich hörte Sie reden – Zu wem sprechen Sie?«
    KEATON: »Gott! Nur zu Gott!«
    GAUNT: »Nicht, wenn Sie für MICH arbeiten!!!«

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  • PANGBORN zu den streitenden Geistlichen: »Verdammt, hören Sie auf, oder ich jage Ihnen eine Kugel durch den Kopf!«
    GAUNT: »Endlich eine gute Idee!«

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  • GAUNT zu Pangborn: »Ich kehre wieder! Bis dahin, grüßen Sie Ihren Enkel von mir! … Ich treffe ihn in Jakarta, 2052! … Wir werden Schlagzeilen machen!«


Galerie

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