“Einmal im Leben verspürt jeder Künstler die Hand Gottes und schafft etwas, was lebendig wird. So war es mit meiner Marie Antoinette. Ich liebte sie… aber sie ist dahingegangen! Durch Feuer zerstört!”

Prof. Henry Bondi (Das Kabinett des Professor Bondi, 1953)


Professor Henry Bondi (im englischen Original Henry Jarrod) ist der Hauptantagonist im klassischen 3D-Horrorfilm Das Kabinett des Professor Bondi (House of Wax) von André De Toth aus dem Jahr 1953.

Der verschrobene aber geniale Bildhauer ist der Schöpfer einer ganzen Kollektion von hingebungsvoll gestalteten, erstaunlich lebensechten Wachsfiguren, die in einem bescheidenen Museum ausgestellt werden.

Sein geldgieriger Geschäftspartner brennt dieses jedoch nieder, um die Versicherungssumme zu kassieren. Über die Zerstörung seiner über alles geliebten Wachsfiguren verliert der nunmehr von Brandwunden bis zur Unkenntlichkeit entstellte Bondi den Verstand und beginnt, fortan Menschen zu ermorden, die seinen verlorenen Figuren ähneln, um auf diese Weise seine Sammlung neu zu erschaffen.

Das Kabinett des Professor Bondi ist ein Remake des zwanzig Jahre zuvor gedrehten Horrorfilms Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts (Mystery of the Wax Museum) von 1933 und basiert genau wie dieser auf der unveröffentlichten Kurzgeschichte The Wax Works des US-amerikanischen Drehbuchautors Charles S. Belden (*1904; †1954).

Dargestellt wurde der verrückt gewordene Künstler, der seine Verbrennungen hinter einer verblüffend lebensecht wirkenden Wachsmaske verbirgt, vom legendären US-amerikanischen Horrorfilm-Star Vincent Price (*1911; †1993), der unter anderem auch Edward Lionheart in Theater des Grauens (1973) gespielt hatte.

In der deutschen Übersetzung wurde er von Curt Ackermann (*1905; †1988) synchronisiert.

Charakterbiographie

Vorgeschichte

Professor Bondi ist Künstler mit Leib und Seele.

In Künstlerkreisen und auch in der akademischen Fachwelt war Henry Bondi ein gefeierter und hochdekorierter Bildhauer und wurde für sein Schaffen bereits mit einem Professorentitel ehrenhalber bedacht. Seine Methode des Erschaffens von lebensechten Wachsfiguren galt als absolut einmalig, da er jedes noch so kleine Detail in seine Kreationen einbrachte. Von der Beschaffenheit der Haut bis hin zu den Frisuren, wobei er jeden Wirbel und jedes Haar einzeln mit einem Skalpell in das noch warme Wachs einarbeitete, entsprach alles auf das Genaueste den historischen Personen die ihm als Vorbild dienten.

Bondi führt den schwerreichen Mr. Wallace durch sein Museum.

Die fertigen Figuren wurden in einem bescheidenen Museum in einer New Yorker Seitenstraße ausgestellt. Um dieses zu finanzieren, ging er eine geschäftliche Partnerschaft mit dem schmierigen Börsenmakler Matthew Burke ein, die sich jedoch alles andere als harmonisch entwickeln sollte.

Brandstiftung

Bondi liebt seine Marie Antoinette-Figur über alles.

Während Burke nur den Profit im Sinn hat, widmet Igor sich ausschließlich der Erschaffung romantischer Szenerien wie Mark Anton und Kleopatra und historischer Figuren wie Johanna von Orleans. Als Bondis absolutes Meisterstück jedoch gilt sein Abbild der französischen Königin Marie Antoinette, die derart lebensecht ist, dass viele Museumsbesucher meinen, sie würde ihnen hinterherblicken oder man könne sie tatsächlich atmen sehen.

Bondi ist entsetzt als Burke das Wachsfigurenkabinett niederbrennen will.

Trotz aller Kunstfertigkeit ist dem Museum kein überragender Erfolg beschieden, da das sensationslüsterne Publikum mehr nach makabren und blutigen Sensationen à la “Jack the Ripper“ dürstet, wie sie beispielsweise im erfolgreichen Madame Tussauds in London präsentiert werden. Bondi, der sich der Erschaffung erbaulicher Schönheit verschrieben hat, lehnt dies jedoch, ob seines ästhetischen Empfindens, strikt ab.

Bondi ist in seinem brennenden Museum eingeschlossen.

Unverhofft bietet sich dem verträumten Künstler die Chance auf finanzielle Unabhängigkeit in Gestalt des schwerreichen Philanthropen und Kunstmäzens Sidney Wallace. Dieser wäre eventuell bereit, Burkes Anteile zu übernehmen, sobald er von einer mehrmonatigen Ausgrabungsexpedition in Ägypten zurückkehrt ist. Burke, der nicht bereit ist, noch länger auf sein Geld zu warten, hat jedoch bereits etwas anderes im Sinn.

Bondi ermordet Burke und lässt das Verbrechen wie einen Selbstmord aussehen.

Um sein Lotterleben mit seiner blutjungen Geliebten zu finanzieren, beabsichtigt Bondis Partner das Wachsmuseum niederzubrennen, um an die stolze Versicherungssumme von fünfzigtausend Dollar zu gelangen. Für den exzentrischen Bondi, für den seine Schöpfungen wie seine eigenen Kinder sind und mit denen er des Öfteren auch spricht, kommt das überhaupt nicht infrage.

Bondi schleicht als nächtlicher Mörder durch New York City.

Als Burke beginnt, die Figuren in Brand zu stecken, geht Bondi dazwischen und es kommt zu einem heftigen Handgemenge. Bondi ist dem geldgierigen Brandstifter jedoch nicht gewachsen und wird niedergeschlagen, ehe dieser flieht und ihn inmitten des inzwischen lichterloh brennenden Museums einschließt.

Bondi kommt wieder zu sich und muss in dem flammenden Inferno hilflos mitansehen, wie sein Lebenswerk in Rauch und Asche aufgeht, ehe die Hauptleitung für die Gaslampen explodiert und das ganze Museum zerstört.

Das neue Wachsfigurenkabinett

Bondi kann mit seinen verbrannten Händen nicht mehr selbst modellieren.

Mehrere Monate sind seit dem verheerenden Inferno vergangen. Mit schweren Verbrennungen an den Händen und augenscheinlich auf einen Rollstuhl angewiesen, hat Henry Bondi das Feuer überlebt. Nachdem er den mittlerweile zurückgekehrten Mr. Wallace kontaktiert- und ihn als neuen Geschäftspartner gewinnen konnte, macht er sich daran, unter anderem Namen ein neues Wachsfigurenkabinett aufzubauen.

Bondi macht Jagd auf Sue Allen.

Auffällig ist hierbei sein radikaler Gesinnungswandel, da er beabsichtigt, die aufsehenerregendsten und abscheulichsten aktuellen Gewaltverbrechen in sämtlichen blutigen Details in Wachs nachzubilden, um dem Publikum den Nervenkitzel zu bescheren, den es sich so sehr wünscht. Da er aber mit seinen zu verkrümmten Klauen verstümmelten Händen nicht mehr selbst modellieren kann, nimmt er einige Assistenten in seinen Dienst, die unter seiner strengen Anleitung die neuen Exponate für ihn erstellen sollen.

Bondi will aus Sue seine Marie Antoinette neu erschaffen.

Zur selben Zeit hält eine unheimliche Mordserie die Stadt in Atem. Neben mehreren prominenten Persönlichkeiten, die unter rätselhaften Umständen zu Tode gekommen sind, wird auch Bondis ehemaliger Geschäftspartner Matthew Burke erhängt im Fahrstuhlschacht seines Wohnhauses aufgefunden. Man geht von Selbstmord aus, obwohl er durch die gerade erst ausbezahlte Feuerversicherung zu einigem Wohlstand gekommen war. Zudem verschwinden kurz darauf sämtliche Leichen, auch die von Burke, auf mysteriöse Weise aus der Leichenhalle.

Bondi gibt sich als Mörder zu erkennen.

Was zu dieser Zeit noch niemand ahnt – die bizarre Lösung dieses Rätsels ist Henry Bondi selbst. Durch den Verlust seiner über alles geliebten Schöpfungen, sowie unrettbar der Möglichkeit beraubt Schönes zu erschaffen, ist er vollkommen wahnsinnig geworden und ermordet Menschen, in denen er seine verlorenen Wachsfiguren wiederzuerkennen meint – so beispielsweise den New Yorker Staatsanwalt Wilbur Patterson, dessen Züge ihn an seinen John Wilkes Booth, den Mörder Abraham Lincolns, erinnert haben oder Burkes Geliebte Kathy Graves, da er in ihr seine Johanna von Orleans gesehen hat.

Bondis von Verbrennungen grotesk entstelltes Gesicht wird offenbart.

Nach den Morden stiehlt er die Toten aus dem Leichenschauhaus und überzieht sie im weitläufigen Kellergewölbe seines Museums in einem aufwändigen Prozess mit Wachs, um sie anschließend in historischer Ausstattung als Exponate auszustellen. Seine wichtigsten Komplizen hierbei sind zum einen der künstlerisch sehr begabte Alkoholiker Leon Averill alias Carl Hendricks, welcher ihn bei seinen grotesken Präparaten unterstützt und dafür deren Wertgegenstände für sich behalten darf, und zum anderen der taubstumme Igor, der als Mann für’s Grobe fungiert und der die seltsame Angewohnheit hat, sämtliche Gesichter, die er modelliert, nach seinem eigenen zu formen.

Die wiedergeborene Marie Antoinette

Bondi trifft Vorbereitungen, Sue mit Wachs zu überziehen.

Einer von Bondis innigsten Wünschen bei all seinem mörderischen Treiben ist vor allem die Neuerschaffung seiner Marie Antoinette. Diese erkennt er in Sue Allen, der Freundin und Zimmergenossin der ermordeten Cathy Graves wieder. Wie der Zufall spielt, ist sie zudem eine alte Jugendfreundin seines Schülers Scott Andrews, welcher keine Ahnung von seinen verbrecherischen Aktivitäten hat.

Bereits in der Nacht, in der er Cathy ermordet hatte, war Bondi ihr begegnet und hat sie in einer erbarmungslosen Hetzjagd durch die Nebelverhangenen Gassen von New York bis zu Scotts Haus verfolgt, wo sie ihm knapp entronnen ist. Auch ein weiterer Versuch, sie einige Wochen später aus ihrem Zimmer zu entführen, ist jedoch fehlgeschlagen.

Bondi betäubt Sue mit einer Spritze.

Bondis Stunde kommt aber als die junge Frau Scott abends vom Museum abholen möchte. Dabei entdeckt sie, dass die Johanna von Orleans-Figur tatsächlich der mit Wachs überzogene Leichnam ihrer Freundin ist. Davon überzeugt, sie nun endgültig in seiner Gewalt zu haben, gibt Bondi sein Schauspiel auf und erhebt sich mühelos aus dem Rollstuhl. Er bedrängt sie und treibt sie immer mehr in die Enge.

Im verzweifelten Versuch sich zu wehren, schlägt Sue nach ihm und zerbricht dabei die erstaunlich lebensechte Wachsmaske, unter der er sein verbranntes, bis zur Unkenntlichkeit entstelltes Gesicht verborgen hat. Voller Entsetzen, bricht sie ohnmächtig zusammen.

Ende des Schreckens

Bondi versucht, der Polizei zu entkommen.

Während der Wahnsinnige die Besinnungslose in seinen Keller schafft und mit den Vorbereitungen beginnt, um aus ihr ebenfalls eine Wachsfigur zu machen, spitzen sich die Ereignisse dramatisch zu. Während Scott sich einen erbitterten Kampf mit Igor liefert, rückt die New Yorker Polizei unter dem Kommando von Lieutenant Brennan und Sergeant Shane gegen Bondi vor, nachdem diese vom zuvor festgenommenen Leon Averill ein komplettes Geständnis erhalten hatten.

Bondi stürzt in den Bottich mit kochendem, flüssigen Wachs.

Gerade als Bondi Sue, die er nackt an einem Tisch festgeschnallt und bereits unter die Vorrichtung für die “Wachsdusche“ geschoben hat, eine betäubende Injektion verabreichen will, bricht die Polizei buchstäblich in letzter Sekunde die massive Kellertür auf.

Wie ein in die Enge getriebenes wildes Tier, versucht Bondi sich seinen Weg ins Freie zu erkämpfen. Es gelingt ihm, mehrere Polizisten zu überwältigen und sich bis ans obere Ende der Kellertreppe vorzuarbeiten.

Im Zuge des Handgemenges gibt jedoch das niedrige Holzgeländer nach und Professor Bondi stürzt in den großen Bottich mit dem brodelnd-heißen, flüssigen Wachs in den Tod.

Erscheinungsbild & Persönlichkeit

Vincent Price als Professor Bondi – Publicityfoto von 1953.

Prof. Bondi ist ein großgewachsener, schlanker Mann Anfang Vierzig mit braunem, aus der Stirn frisiertem Haar, stechend blauen Augen und einem spitz zulaufenden Henriquatre-Bart. Im weiteren Verlauf der Handlung hat er angegraute Schläfen und einen perfekt gepflegten graumelierten Vollbart.

Durch den Brand in seinem Wachsmuseum sind seine Hände mit schweren Brandwunden bedeckt und für die feinen Arbeiten seiner Kunst unbrauchbar geworden. Im Finale stellt sich zudem heraus, dass sein Gesicht nur eine perfekt nach seinen früheren Zügen gefertigte Wachsmaske war, unter der er eine ebenfalls mit aufgeworfenen Brandwunden übersäte, bis zur Unkenntlichkeit deformierte Fratze verbirgt.

Zu Beginn, während er in seinem Atelier arbeitet, trägt er einen verwaschenen braunen Arbeitskittel voller Wachs- und Tonflecken. Ansonsten ist er in einen gut sitzenden schwarzen Anzug mit schwarzer Weste und ebensolcher Halsschleife gekleidet.
Für seine nächtlichen Mord-Streifzüge trägt er einen breitkrempigen schwarzen Filzhut und einen langen schwarzen Mantel mit Schultercape, sowie schwarze Lederhandschuhe.

Vincent Price als Professor Bondi – Früher Make-Up-Test von 1953.

Ursprünglich war Bondi ein sanftmütiger, liebenswürdiger, wenn auch etwas weltfremder Mann, der nicht einmal der sprichwörtlichen Fliege etwas zuleide getan hätte. Alles, was ihm in seinem Leben wichtig war, waren seine Wachsfiguren, mit denen er nachts sprach und die für ihn wie leibhaftige Freunde waren.

Nach dem verheerenden Feuer jedoch, durch das er sowohl “seine Kinder“, als auch seine Hände und sein Gesicht verloren hat, ist er durch sein Unvermögen, jemals wieder etwas Schönes erschaffen zu können, vollkommen dem Wahnsinn verfallen.
Seitdem ist er geradezu besessen vom Ausdruck von Schmerz und Qual, was sich vor allem in seinem neuen Wachsfigurenkabinett ausdrückt, in dessen Schreckenskammer er Mord und Tod ausstellt um die Sensationslust einer ignoranten und rücksichtslosen Gesellschaft zu befriedigen. Zudem versucht er, seine verlorenen Schöpfungen wiederherzustellen, indem er sie, wie er sagt, direkt “aus dem Leben reißt“.

Adaptionen & Neuverfilmungen

The Wax Works & The Wax Museum (1932)

Drehbuchautor und Journalist Charles S. Beldon verfasste die Kurzgeschichte, die essenziell von dem mörderischen Künstler erzählt, der seine Opfer zu “lebensechten“ Wachsfiguren verarbeitet. Sie blieb jedoch bis heute [Stand April 2020, Anm.] unveröffentlicht.

Im selben Jahr schrieb Belden das auf der Kurzgeschichte basierende Kriminal-Bühnenstück The Wax Museum, welches wiederum zum Ausgangsmaterial für sämtliche seither entstandenen Filmadaptionen wurde.

Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts (1933)

Lionel Atwill als Ivan Igor – Publicityfoto von 1933.

Der Horror-Kriminalfilm Mystery of the Wax Museum von Michael Curtiz (*1886; 1962) basiert auf Beldons Theaterstück und ist die erste Filmadaption des Stoffes. Gedreht wurde der Film seinerzeit in Two-Color-Technicolor, einem frühen Farbfilmverfahren in satten orange-rot und grün-Nuancen. Ab Mitte der 1940er Jahre galt der Film als verschollen, jedoch wurde 1969 eine gut erhaltene Kopie im Privatarchiv von Warner Bros.-Chef Jack Warner gefunden.
Wegen unsachgemäßer Behandlung beim Restaurationsprozess ging ein Großteil der einstmals strahlenden Pastellfarben verloren, sodass der Film heute teilweise stark verblasst wirkt.

Neben der Hauptgeschichte des verrückt gewordenen Künstlers, gibt es hier auch zwei Nebenhandlungsstränge, die zum einen den weiteren Werdegang seines kriminellen Geschäftspartners als Schnapsschmuggler behandeln und zum anderen eine resolute Reporterin auf der Jagd nach der Story der Mordserie begleiten.

In der ersten Verfilmung ist der Name des Wachskünstlers Ivan Igor und wurde vom britischen Schauspieler Lionel Atwill (*1885; †1946) gespielt.

In der deutschen Synchronisation von 1987 wurde er von Joachim Kerzel (*1941) gesprochen.

Das Kabinett des Professor Bondi (1953)

Vincent Price als Professor Henry Bondi/Jarrod – Illustration von Basil Gogos.

Im Remake House of Wax wurden die Nebenhandlungen gestrichen und der Hauptfokus auf die Geschichte des verrückt-genialen Künstlers gelegt, welche im Wesentlichen unverändert geblieben ist.

Der Film war mit Stereoton ausgestattet worden und gilt somit als erster Stereo-3D-Film der Geschichte. Ursprünglich wurde er in den US-amerikanischen Kinos im Polarisationssystem vorgeführt, welches seit 2009 wieder vermehrt für Filmproduktionen genutzt wird.

Aus Kostengründen ging man jedoch zum preiswerteren Anaglyph-Verfahren im weithin bekannten rot-grün über, weswegen man in der Mitte eine Pause machen musste, da diese 3D-Sicht die Augen stark beansprucht und zu Kopfschmerzen führen kann.

Wax Mask (1997)

Robert Hossein als Boris Volkoff – Maschera di cera - Wax Mask, 1997.

Der italienische Horrorfilm M.D.C. – Maschera di cera ist eine Neuinterpretation der Originalgeschichte von Charles S. Beldon. Der für seine Beiträge zum Splatter-Genre bekannte italienische Filmemacher Dario Argento (*1994) entwickelte zusammen mit Lucio Fulci (*1927; †1996) das Drehbuch. Letzterer sollte eigentlich Regie führen, verstarb jedoch noch während der Produktionsvorbereitungen an den Folgen von Diabetes.
An seiner Stelle inszenierte der Special-Effects-Künstler Sergio Stivaletti (*1957) den Film, nahm jedoch massive Änderungen am Drehbuch vor und legte das Hauptaugenmerk auf den Einsatz von Spezialeffekten.

In Wax Mask trägt der Hauptantagonist den Namen Boris Volkoff und ist, wie bereits in vorangegangenen Versionen, Inhaber und ausführender Künstler eines Wachsfigurenkabinetts, welches berühmt für seine lebensecht wirkenden Exponate ist.
Tatsächlich ist Volkoff ein Serienmörder, der seine Opfer einer bizarren Prozedur unterzieht und ihnen Chemikalien injiziert, die sie vollkommen starr und unbeweglich werden lassen und ihrer Haut eine wachsartige Beschaffenheit verleiht.

Vor Jahren war er ein von seiner Arbeit regelrecht besessener Künstler, der sich über seine bildhauerische Arbeit hinaus mit merkwürdigen Experimenten befasst hat, um seine Figuren immer lebendiger erscheinen zu lassen.
Bei einem folgenschweren Unfall stürzte er in einen Bottich mit brodelnd heißem Wachs. Er hat überlebt, wurde aber bis zur Unkenntlichkeit entstellt und verbirgt seine Verbrennungen seither unter einer lebensechten Wachsmaske.

Im Finale des Films stellt sich heraus, dass Volkoffs ganzer Körper nur ein mit Wachs überzogenes stählernes Skelett ist.

Dargestellt wurde er vom französischen Schauspieler Robert Hossein (*1927; †2020) und in der deutschen Übersetzung von Eberhard Prüter (*1945; †2014) synchronisiert.

House of Wax (2005)

Brian Van Holt als Vincent – House of Wax, 2005.

Von einigen wenigen oberflächlichen Anleihen abgesehen, hat der vom spanischen Regisseur Jaume Collet-Serra (*1974) gedrehte Teenie-Horrorfilm keinerlei Gemeinsamkeiten mit dem Ausgangsmaterial und wurde von den Kritikern gnadenlos verrissen.

Bis heute ist der viel diskutierte Auftritt von It-Girl Paris Hilton (*1981) in einer Nebenrolle Gegenstand von allerlei Spott und Häme.

Der eine Wachsmaske tragende Killer, wird hier als flüchtige Hommage an Henry Bondi-Darsteller Vincent Price schlicht Vincent genannt. In dieser Adaption ist er der geistig zurückgebliebene, durch die chirurgische Trennung entstellte, siamesische Zwillingsbruder des manipulativen Psychopathen Bo.

Dieser ist die treibende Kraft hinter Vincents verbrecherischem Treiben, indem er ihn zum Töten anstiftet, um die Opfer anschließend als in Szene gesetzte Wachsfiguren zu präparieren und sie im Museum ihrer verstorbenen Mutter, “Trudy’s House of Wax“ auszustellen.

Die Doppelrolle des Vincent und seines manipulativen Bruders Bo verkörperte der US-amerikanische Schauspieler Brian Van Holt (*1969).

Zitate

“Ich werde den Leuten das bieten, was sie sehen wollen – Sensation! Grauen! Nervenkitzel! Sie werden aus der Ausstellung gehen und ihren Freunden erzählen wie wunderbar es ist, sich zu Tode zu erschrecken!”

Professor Bondi eröffnet sein neues Museum


“Matthew Burke, der Börsenmakler! Man fand ihn erhängt im Fahrstuhlschacht des Gebäudes, wo er sein Büro hatte. War es Mord oder Selbstmord? Die Zeit wird es klären. “Es ist nichts so fein gesponnen und es kommet doch ans Licht der Sonnen“, wie das Sprichwort sagt!”

Professor Bondi spöttelt über den Mord an seinem Geschäftspartner


“Alles, was ich einstmals geliebt habe, wurde von mir genommen! Dich nimmt man mir nicht, meine Marie Antoinette! Ich will dir ewiges Leben geben!”

Professor Bondi gibt sich als Mörder zu erkennen


“Hier habe ich meine Jungfrau von Orleans erstehen lassen! Es ist ein interessantes Verfahren! Wenn du Geduld mit mir hast, meine Liebe, werde ich dir zeigen, wie es gemacht wird! […]
Dieser Ausdruck des Schreckens verunstaltet dein liebliches Gesicht! Was würde man sagen, wenn er durch das Wachs hindurchscheinen würde?! […]
Das Ende wird schnell kommen, mein Liebling! Es gibt einen Schmerz, der alles vergessen lässt – eine Angst vor dem Tode, die den Geist lähmt! Wir werden zusammen Unsterblichkeit finden, denn man wird sich an mich durch dich erinnern!”

Professor Bondi beabsichtigt, Sue Allen mit Wachs zu überziehen


Wissenswertes

  • Der Schrecken in Hauptdarsteller Vincent Prices Gesicht beim Anblick des zu Filmbeginn lichterloh brennenden Wachsfigurenkabinetts war nicht gespielt. Zunächst wurden am Set an drei vorbestimmten Positionen Feuer gelegt, doch gerieten diese wegen der enormen Hitzeentwicklung sehr schnell außer Kontrolle. Das Inferno verbrannte die ganze Studiodecke und sengte Price sogar die Augenbrauen ab.
    Da aber die bereits schmelzenden Wachsfiguren zu teuer waren, um kurzfristig ersetzt werden zu können, ließ Regisseur André De Toth die Kameras einfach weiterlaufen, während sich die Feuerwehr off-screen bereits daran machte, den Brand unter Kontrolle zu bekommen.
  • Vincent Prices Biograph Joel Eisner berichtete von einer Anekdote gemäß der Price sich Das Kabinett des Professor Bondi regelmäßig im Kino ansah, um die Reaktionen des Publikums zu beobachten. Obwohl er sich üblicherweise darum bemühte anonym zu bleiben, entschloss er sich bei einer Gelegenheit zu einem Scherz mit einem vor ihm sitzenden Teenagerpärchen. Bei seiner Demaskierungsszene beugte er sich spontan vor und fragte “Hat es euch gefallen?“ (“Did you like it?“)
    Über ihre Reaktion beim Erkennen seiner Stimme sagte Price: “Die sind vor Schreck durch die Decke gegangen!“ (“They went right into orbit!“)
  • Obwohl er im Film nicht mitwirkte, machte Dracula-Darsteller Bela Lugosi (*1882; †1956) Werbung für Das Kabinett des Professor Bondi und trat bei der Premiere trat in vollständiger Dracula-Kostümierung auf.
  • Maskenbildner Gordon Bau (*1907; †1975) stand vor einer besonders kniffligen Herausforderung, da das Verbrennungs-Make-Up für Professor Bondi sowohl in Technicolor als auch in rot-grüner 3D-Optik überzeugend aussehen musste. Das Ergebnis, eine Kraterlandschaft aus abstoßendem Narbengewebe, war derart wirkungsvoll, dass das Kinopublikum der 1950er Jahre entsetzt war.
    Auch während der Dreharbeiten sorgte es für Übelkeit unter den Mitarbeitern von Warner Bros.
    Vincent Price erinnerte sich in einem Interview: “Ich wurde aus der Studio-Kantine verbannt […] Dieses abweisende Verhalten hatte begonnen, als ich das erste Mal zum Mittagessen reinkam und das Mädchen an der Kasse blass wurde und beinahe in Ohnmacht fiel. Dann sprangen die Gäste auf und stürmten zur Tür hinaus. Es war ein schlechter Tag für’s Geschäft.“ (“I was banished from the studio commissary […] This cold shoulder treatment started when I walked in there for lunch for the first time and the girl at the register turned green and almost fainted. Then the patrons got up and headed for the door. It was a bad day for business.“)
  • Während die Geschehnisse in Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts zwölf Jahre umspannen und in der damaligen Gegenwart der frühen 1930er Jahre spielen, ist es in Das Kabinett des Professor Bondi ein deutlich kürzerer, nicht näher definierter Zeitrahmen von zumindest mehreren Monaten und die Handlung wurde auf den Beginn des 20. Jahrhunderts um 1902 verlegt.
  • Das spöttische Sprichwort, mit dem Bondi den Tod seines alten Geschäftspartners Burke kommentiert, “Es ist nichts so fein gesponnen und es kommet doch ans Licht der Sonnen“, ist, obwohl von ähnlicher Bedeutung, genau genommen eine drastische Verfälschung des englischen Originals.
    Was in der deutschen Übersetzung vollständig verloren geht, darin zitiert er aus William Shakespeares Hamlet, erster Akt, zweite Szene: “Foul deeds will rise, though all the world o’erwhelm them, to men’s eyes“.
    (“Schnöde Taten, birgt sie die Erd auch, müssen sich verraten“) [Deutsche Übersetzung von August Wilhelm von Schlegel, Anmerkung]
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