“Ich bin beeindruckt, wie weit du gekommen bist. Es verblüfft mich immer wieder. Wie aus Träumen Wahrheit wird. Wie sich die Schicksalsfäden verknüpfen und ein neuer Schleier sich in die Zeit näht. [...] Ich will nicht sterben. Aber du, Nachthaar, du wirst uns allen das Ende bringen!”

— Der Seher offenbart sich Geron

“Ich werde über ein Reich der Träume herrschen! Tausend Traumsplitter offenbaren mir die Zukunft. Dann forme ich sie nach meinem Willen! Und werde endlich unsterblich sein!”

— Der Plan des Sehers

Der Seher von Andergast, oft schlicht als der Seher oder der Rabe bezeichnet, ist der Hauptschurke aus dem 2012 erschienenen Point-and-Click-Adventure-Videospiel Das Schwarze Auge: Satinavs Ketten.

Er wurde von Robert Missler gesprochen.

Vergangenheit

Der Seher wurde als blinder Mann im Reich Andergast geboren, verfügte aber über hellseherische Kräfte. Allerdings sah er stets nur Tod und Verderben und nie Schönes. Er sah sich zwar zu Großem auserkoren und sah durch einen Blick in die Zukunft, dass die Unsterblichkeit auf ihn wartete, sah in einer zweiten Vision der Zukunft allerdings auch einen qualvollen Tod, der auf ihn warten würde. Entsetzt beschloss er, diesen um jeden Preis zu verhindern. Aufgrund seiner Kräfte sah er sich außerdem als auserkoren an, die Menschen Andergasts zu beherrschen und sie in eine glorreiche Zukunft zu führen. Als selbsternannter Auserwählter entwickelte der Seher nun einen Plan, die Zukunft zu verändern und seinem vom Schicksal auserkorenen Tod zu entgehen. Im Zuge seiner Nachforschungen erfuhr er von einer magischen Harfe, die in der Lage war, die Realität zu manipulieren. Allerdings konnte diese Harfe nur von Feen gespielt werden; für Menschen war jeder Kontakt tödlich.

Auf unbekannte Art und Weise gelang es dem Seher, das Feenreich Neirutneva zu erreichen. In diesem gab er sich als Weiser aus und wurde insbesondere von der arroganten und naiven Königin, die er durch sein charismatisches Auftreten leicht manipulieren konnte, sehr geschätzt. Während seiner Zeit in Neirutneva konnte er mehrere Feen auf seine Seite ziehen und als er verkündete, in seine Welt zurückzukehren, begleiteten sie ihn. Der Seher brachte sie dazu, die mystische Harfe für ihn zu spielen und so die Welt um sie herum zu beeinflussen. Während die Feen durch das Spielen der Harfe korrumpiert und zu düsteren, willlen- und seelenlosen Handlangern des Sehers wurden, nutzte der Seher die Macht der Harfe um den Bewohner Aventurien Albträume zu schicken. Krähenschwärme fungierten dabei als seine Boten und willigen Handlanger.

Sein ultimatives Ziel war es, den Bewohnern Andergasts ihre Träume zu entreißen und all diese Traumsplitter zusammenzufügen um ein umfangreicheres Bild der Zukunft zu offenbaren. Diese wollte er dann mit der Macht der Harfe zu seinem eigenen Nutzen umgestalten und so neben Unsterblickeit und unangefochtener Herrschaft auch die Gewissheit zu erhalten, seinem kryptischen Schicksal entgangen zu sein. Allerdings wurden die Bewohner Andergasts auf die Pläne des Sehers aufmerksam. Der Fährtenleser Gwinnling führte eine Gruppe Abenteurer zum Lager des Sehers, wo sie ihn überwältigen und nach Andergast zurückschleppen konnten. Aufgrund seiner düsteren Taten und Pläne wurde er zum Tode verurteilt und sollte auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden. Allerdings verfügte er über ein magisches Artefakt. Dieses ermöglichte es ihm, seine Seele mit der Seele eines anderen Wesens zu tauschen, so lange er eine körperliche Essenz besagten Wesens als Fokus hatte.

Am Tag seiner Verbrennung wurde der Seher auf dem Scheiterhaufen an einen Pfahl gefesselt und der Haufen wurde in Brand gesetzt. In der johlenden Menge erkannte der Seher ein Kind namens Geron und erkannte dieses erschrocken als den Jungen, der ihm laut seiner Vision den Tod bringen sollte. Entgeistert verfluchte der Seher Geron. Im selben Moment flog ein Rabe über den Scheiterhaufen hinweg und verlor eine Feder, die sich im Artefakt des Sehers verhedderte. Der Seher nutzte die Gelegenheit und sprach das Fokuswort "Corvus", welches seine Seele mit der des Raben tauschte. Die Seele des Raben verbrannte im Körper des Sehers, während der Seher selbst im Rabenkörper überlebte. Dies erwies sich zwar als unpraktisch, doch der Seher gab seine Pläne nicht auf und beschloss, eine neue Fee für seine Harfe zu finden um seine Pläne in die Tat umsetzen zu können.

Handlung

Dreizehn Jahre später mehren sich in Andergast die Anzeichen, dass der Seher zurückgekehrt ist und kurz davor steht, ein weiteres Mal Terror über das Reich zu bringen. Krähenschwärme erscheinen immer öfter und die Stimmung wird merklich angespannter. Der Seher – nach wie vor in seiner Rabenform – entsendet seine korrumpierten Feen um aus Rache jene zu töten, die vor dreizehn Jahren für seine Verhaftung verantwortlich waren. Sie können sowohl den Ritter Olderich als auch die Magistra Dorota töten und ihnen die Augen ausstechen. Gwinnling erkennt, dass der Seher Pläne hat und entsendet seinen Ziehsohn Geron daher, um die letzte Fee von Andergast zu finden. Er verrät es Geron nicht, aber sein Ziel ist es zu verhindern, dass der Seher die Fee – Nuri – nutzen kann um die Harfe zu spielen. Während Geron unterwegs ist und Nuri schließlich auch findet, stürmen die Kreaturen des Sehers in Gwinnlings Haus und ermorden ihn.

Der Seher unterstützt Geron und Nuri

Als Geron zurückkehrt, findet er seinen schwer verwundeten Meister vor, der ihm noch letzte Worte mit auf den Weg geben kann. Um Nuri vor dem Einfluss des Sehers zu schützen, will er sie durch ein Feenportal in ihre Heimatwelt Neirutneva bringen. Ungefähr zur selben Zeit nähert der Seher sich in seiner Rabenform den beiden und beginnt, mit ihnen zu sprechen. Er taucht während der Reise immer wieder auf und liefert Informationen oder auch weise Ratschläge. Während der Seher stets äußerst freundlich zu Nuri ist und die kindische und leichtgläubige Fee schnell von sich überzeugen kann, verhält er sich Geron gegenüber spöttisch und arrogant. Dies beruht auf Gegenseitigkeit, da Geron dem mysteriösen Vogel nicht vertraut. Obwohl Geron den Raben schließlich als den für tot gehaltenen Seher entlarven und Nuri vor ihm warnen kann, macht der Seher sich seine List zu Nutzen. Da er weiß, dass Nuri nicht in ihre Heimat zurückkehren will, die vom Seher bereits an den Rand der Zerstörung getrieben wurde, hat Geron sie belogen und ihr versprochen, sie in ein anderes, schöneres Feenreich zu bringen. Eines Abends, als Geron bereits eingeschlafen ist, landet der Rabe neben Nuri und offenbart ihr, dass Geron sie belogen hat und sie in ihre verhasste Heimat verbannen will.

Dies hat zur Folge, dass die aufgebrachte Nuri Geron am nächsten Morgen selbst durch das Feentor stößt. Der Seher nutzt die Gelegenheit um die enttäuschte und verbitterte Nuri weiter zu manipulieren und sie in sein Versteck auf der Rabenspitze zu bringen. Dort bringt er sie dazu, die Harfe zu spielen. Sofort wird Nuri von der düsteren Kraft der Harfe gebunden und kann nicht anders, als weiterzuspielen. Der Seher nutzt die Macht der Harfe nun aus, um ein weiteres Mal Schwärme aggressiver Krähen zu beschwören und sie über Andergast zu entfesseln. Gleichzeitig lässt er die Krähen die Träume der Bevölkerung rauben und ihnen Albträume und Visionen schicken, die die Bewohner Andergasts langsam in den Wahnsinn treiben. Lediglich sein altes Artefakt, der Ring, fehlt dem Seher noch. In seine Rabenform sucht er daher den König von Andergast auf und fordert, dass dieser ihm das Artefakt aushändigt. Mit diesem will der Seher den Körper des Königs übernehmen und so nach dreizehn Jahren endlich wieder einen menschlichen Körper erhalten, mit dem er über Andergast herrschen kann. Allerdings kann Geron sich einige Zeit später aus Neirutneva befreien, nach Andergast zurückkehren und macht sich daran, den Seher zu stoppen. So kann er verhindern, dass der König dem Raben das Artefakt des Sehers aushändigt, so dass der Seher sich wütend in sein Versteck zurückzieht.

Der Seher und Geron in ihrer letzten Konfrontation

Mit Hilfe des Feenforschers Jacomo Nauta ist es Geron zudem möglich, das Geheimnis des Artefakts zu entschlüsseln und das alte Fokuswort "Corvus" zu "Satinav", dem Namen des Gottes von Zeit und Schicksal, zu verändern. Mit dem Artefakt macht er sich nun auf den Weg zur Rabenspitze, um den Seher auszutricksen, zu besiegen und Nuri zu befreien. Dort angekommen kann er eine Träne Nuris in dem Artefakt aufnehmen und Nuri so zum neuen Fokus des Artefakts machen. Als der spöttische Rabe sich kurz darauf triumphierend auf einem Felsen niederlässt, händigt Geron ihm gespielt geschlagen das Artefakt aus. Danach behauptet er, dass das Schicksal den Seher dennoch bezwingen wird, spottet dieser dass dies nicht möglich sein wird, da es weder Schicksal noch Satinav wirklich gibt. Damit hat er allerdings unwissentlich das Fokuswort ausgesprochen, was zur Folge hat, dass die Seelen von Nuri und dem Seher getauscht werden. Während Nuri nun im Körper des Raben inkarniert wird, wird die menschliche Seele des Sehers in Nuris Körper gezwungen, der noch immer die Harfe streicht. Dies hat den sofortigen Tod von Nuris Körper – und somit dem Seher – zur Folge, da die Harfe nicht von Menschenhand gespielt werden darf.

Galerie

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